Ein wahrhaft komischer Zeichner

Max Milan Marsalek zeigt seine schönsten Bilder

Ich blicke zu ihm auf, seit ich ihn kenne, denn er ist ein sehr großer Künstler. Valdimir Klitschko überragt ihn nur um vier Zentimeter. Ich bewundere ihn, seit ich ihn kenne, denn er ist ein liebenswerter, zauberhaft komischer, hintergründiger Zeichner. Viel zu sperrig, um in eine Schublade zu passen, Cartoonist und Landschaftsmaler zugleich, filigran und plakativ, phantastisch und absurd. Seine Bilder wecken Assoziationen zu Mozarts Zauberflöte und zum Struwwelpeter. Außerdem schlagen sie eine Brücke zum unvergessenen "Frauenfreigehege Dingolfing" von Friedrich Karl Waechter.

Milans täuschend naiver Strich erinnert an Meister der Volkskunst von Haiti, aber der Satiriker Marsalek nutzt die Naivität als Waffe. Auch Karl Valentin stellte sich dumm. Und dass mir bei manchen der Blätter Kafka in den Sinn kommt und natürlich auch Schweijk, mag am realen und am kulturellen Migrationshintergrund dieses wunderbaren Zeichners liegen. Milan ist Tscheche, am 31. Juli 1948 in Svitavy/Mähren geboren, gelernter Drucker und Fotograf. („Nenn mich einfach Autodidakt“, sagt er).

Kartoffelbrigade. Ein Tableau des Zeichners Max Milan Marsalek (www.maxm.de)

1980 ist er in Deutschland eingewandert, hat hier eine persische Prinzessin geheiratet und als Illustrator für Magazine gearbeitet (TransAtlantik, Zeit Magazin, Manager Magazin, Harvard Business, Brigitte, Petra, Cosmopolitan und Geo-Saison) und Kinderbücher gezeichnet (Beltz & Gelberg). Seine Tochter Christina (24) studiert in Hamburg an der "JAK Akademie Modedesign".

Schön, dass Max Milan Marsalek jetzt in Hamburg seine Bilder zeigt, im Tagewerk Jarrestadt, Jarrestraße 27/29. Das ist zwar keine Galerie sondern eine Behindertenwerkstatt. Gäste sind willkommen. Die gute Nachricht zum Schluss. In den kommenden Wochen werden auch einige seiner Zeichnungen bei MAGDA zu finden sein.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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