Magda - Das Magazin der Autoren

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Hör mal

Stimmen aus dem öffentlichen Raum

Von den MAGDA-Autoren und -Lesern

Berlin Alexanderplatz – Wer hört Stimmen?

Was in der Luft liegt: Worte, Sätze, Gesprächsfetzen, die man so hört, wenn man in Bussen und Bahnen, auf Straßen und Plätzen, in Hallen und Märkten unterwegs ist. Nicht besonders komisch, nichts besonders tragisch. Aber Leben eben. Aus manchen möchte man einen ganzen Roman machen, aus anderen eine halbe Anekdote. Es geht um ein akustisches Mosaik unserer Tage. Was man im Kopf hat und wie sich das äußert, ist oft zweierlei, so wie man sich in Wirklichkeit auch schöner findet als auf Fotos. MAGDA will dokumentieren, wie wir reden im öffentlichen Raum. Unsere verehrten User sind aufgerufen, uns die Stimmen, die sie hören, über die Kommentarfunktion oder über die email-Adresse fritzjochenkpk(at)googlemail.com mitzuteilen. So arbeiten wir an einem Gemeinschaftswerk. Die Nachwelt wird uns bewundern. Oder verfluchen. 

Grundkurs

Hallo?! Geht’s noch? Nicht wirklich. Wo ist das Problem?! Ich sag mal. Ich sag mal so. Zu sagen. Frag mich mal was Leichteres. Lecker, echt lecker. Sonne satt. Alles schick. Alles schicki. Hast du mal ’n Euro für’n Kaffee? Grottenschlecht. Zum Brüllen komisch.

Der kleine Angeber

Termin vorgestern. / Ich gebe immer hundertfünfzig Prozent… / Der hat ja Blüten hier, wat Herbert? Gießte den immer schön, ja? – Ist immer nass. / Lange nicht gesehen?! – War arbeitsmäßig stark engagiert. / Ballack versus Löw. Merkel versus Steinbrück. Kunstfreiheit versus Persönlichkeitsrechte./ Wir sollten uns bald mal wiedersehen. –  Unbedingt!!!! – Dann eben nicht! (Berlin. Dialog zweier bedeutender Journalisten, die sich nach der Geburtstagfeier eines noch bedeutenderen Kollegen voneinander verabschieden)

Leib & Leben

Wisst ihr, warum ihr mich ankotzt? Ihr seid alle Klons. Besonders eure Arschlöcher sind geklont.  (Berlin, Schönhauser Allee) / Magenschmerzen. Blähungen ohne Ende. Kann nichts mehr essen. Schon zehn Pfund abgenommen… (Straßenbahn) /  Jedes zweite Haus ist da ’ne Sozialstation… Das ist so ’ne Art Endlager… Da geht auf jeden Fall was… (S-Bahn Gesundbrunnen) / Ick habe alles verloren. Ick habe die Frau, ick habe Kinder verloren. Ick zeige ooch die Bilder, sind allet Töchter, ick bin Büchsenmacher, ick habe alles verloren, ick bin auf der Straße, verstehste, was ick meine, ick meine, ick weiß, wo ick schlafe, aber ick liebe meine Töchter, det kannste mir glauben… (Berlin, Warschauer Straße) Ich trage immer zwei Uhren, einer traue ich nicht. (Rheinländer im Café) Im Winter sollte man keinen Sport treiben. Das geht auf die Nieren, und in denen steckt die Essenz der Menschheit. Besser Kokosflocken essen!(Spaziergängerin im Mauerpark, Berlin, 13.11.2011, ca. 18.30 Uhr)

Mutti & family

Und für meine Mutter habe ich einen Fön… (Straßenbahn) / Was willst du denn mal für Obst haben, Mutti?  (Im Supermarkt) / Guten Morgen! Kommt ja die ganze Familie an, horche mal! (Vorgarten) /Sie lebt nur für ihre Hunde. (Kleingartenanlage) / Wenn ich sage, wie gehen nach Oma, dann gehen wir auch nach Oma. (Hohenschönhausen) / Nicht inne Küche gehen! Is alles gewischt!! (Zweifamilienhaus) / In diesen Briefkästen ist doch nur Mist. / Scheiße, Besuch! (Einfamilienhaus) / Diese kommunikationsbasierte Erziehung, also manchmal denke ich, das kann’s ja irgendwie auch nicht sein. Früher hat man den Kindern ab und zu mal eine aufs Maul gegeben, und gut war’s. (Beim Fußballturnier der F-Jugend) Lothar, was schmeißte denn den Schirm da so rein! Is doch der letzte, den de noch hast. Die andern haste doch schon kaputtgemacht! – Mensch, hör auf zu babbeln. – Is doch wahr, was ich sage. – Hör auf zu babbeln, sag ick dir! (Rentnerehepaar am VW Golf) / Jetzt eskaliere ich aber gleich! (Ehemann zur Ehefrau im Streit) / Selbst meine Frau gibt mir recht in diesem Punkt…  

Sachsen on tour

Daheeme isses doch angenähmer! … / Das sind mir zu viele Bettszenen… / Det trinkt ihr gern, ihr Sachsen, wa, det Warsteiner! Is wat besseret, wat für feine Leute…/  Haben Sie sich verbrannt? Sie sind so rot auf dem Rücken. – Ich werd Indschaner. – Indianer? Sachse sein reicht wohl nicht? (In der Sport-Reha)  / Was wären wir Sachsen ohne Helmut Kohl! (Dresden, Elbhänge)  / Mir roochert so! (In der Klinik)

Ost-West, immer noch

Der Westdeutsche in der Wüste, im Hochgebirge oder anderswo hat im Zweifelsfall immer die bessere Ausrüstung. / Eure Christine Neubauer! Eure Ina Müller! Und euer Jogi Löw! – Und eure Katarina Witt! – Die Kati? Was ist denn mit der Kati? Die hat immer Leistung gebracht. / Ist alles so überstrukturiert hier.

Berlin, Berlin

Spargel aus meine Garten in Griechenland. (Wochenmarkt) / Ick will ooch ma unter mir sein! (Handwerker) /  Ick kann der Frau ja nich besoffen machen, die kippt mir ja um! / Wat gehen Ihnen denn meine Kontoauszüge an!!! / Det ist det Wetter jetze. Det sind nur noch Extremitäten. (Im Blumenladen) / Gehn Sie aus die Düre raus. Ick kann sonst nicht weiterfahren. Aber wennse nich wollen: Mir macht det nichts aus, ick bin schon auf Arbeit. (Busfahrer) / Man kann ooch nich alles auf den Arbeiternehmer abladen. / Der Mann lernt den Hund wat. (Väterlicher Hinweis) / Beleidijen, beleidijen, beleidijen is allet, wat’se können... – Stimmt doch jar nich, du Sackgesicht. (Straßenbahnfahrer und Falschparker) Ick heiße ALFRED, nich Alf,vastehste? A-L-F-R-E-D!!! – Okay, Fred, is jut. (Zwischen Berlin und Potsdam) Ach, schon wieder Ersatzverkehr! Mit’m Bus? – Nee, Opa, mit’m  Hubschrauber. (Ersatzhaltestelle Tierpark) Ej, iesch fick deine Mutter, Alter! – Die kommt aber nich runter. (Hinterhof) Mamaaa, ich muss mal Wurst! / Bingo! Der hat gecheckt! Hat gecheckt, wat’et hier zu klauen gibt! (Kassiererin in Supermarkt)

München

Ich hab ja eigentlich immer Edelstoff getrunken. Und die letzten Jahre merk ich plötzlich, dass mir das zu süß wird. Vielleicht hat das mit dem Alter zu tun. Schon komisch. Hätte nie gedacht, dass das mal ein Thema wird. (Auf einer Privatparty) / In Hongkong hob i amol 32 Dollar für a Weißbier zohlt. (Großwirt, Neuhausen) Der Spruch ist geil. Muss ich sofort posten. (Mobiltelefon, Bahnhof Pasing) "Du, i hob grad 18 SMS von Dir kriagt. Vielleicht hast Du auf Deim Telefon gschlafn?" (Mann am Handy, morgens im Intercity kurz vor Plochingen)


 


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