Der Masseur und die Trainerin

Fettfrei und gut für den Körper

Von Paula Lambert

Sie

Mein Schmetterling bebte mit dem Flügeln. Langsam und bedächtig hoben sie sich, wie bei einem Exemplar, das gerade frisch geschlüpft war und nun zitternd auf die ersten Sonnenstrahlen wartete. Die Nippel zeichneten sich deutlich unter dem dicken Frottee ab. Zwischen meinen Beinen konnte ich die Feuchtigkeit spüren, die sich langsam ausbreitete wie Lava und bald auf das Handtuch sickern würde. Vorfreude und so etwas wie Lust machte sich in meinem Körper breit. Mimi hatte recht gehabt; der Typ war wirklich verdammt gut gebaut. Kein Wunder, dass seine Warteliste so lang war. Einen guten Masseur zu finden war ein Kinderspiel. Einen zu finden, der dazu auch noch gut aussah, war ungefähr so, als würde man versuchen, Hertha BSC einen guten Fußballklub zu nennen und es wirklich ernst zu meinen. Und dann war da natürlich noch das kleine Extra. „Du wirst sehen, dass er spezielle Fähigkeiten hat“, hatte Mimi gesagt, „trocken gehst du da auf keinen Fall raus.“

Ich lag bäuchlings auf der Liege und ließ mich durchkneten. Seine Hände waren weich und warm und ein wenig glitschig von dem Öl, dass er auf meinen Körper geträufelt hatte. „Ist es so gut?“, fragte er und strich über die Muskeln an meinem Rücken, die unter seinen Händen zu rollen anfingen wie Kleinwagen unter meiner Haut. „Sehr gut sogar“, seufzte ich, „ich glaube, wir sollten uns öfter treffen.“ Ich ließ ein kleines Lachen durch den Raum perlen, dass Unverbindlichkeit und vollkommene Bereitschaft signalisieren sollte. „So“, sagte er und hielt das Handtuch ein Stück hoch, „dann ist es Zeit für die Vorderseite.“

Langsam strich er meine Schenkel entlang. „Ist das gut?“, fragte er. „Ja.“ Immer weiter hoch. „Und hier?“ – „Ja.“ Jetzt stieß er fast an den Schmetterling. „Und hier?“ Seine Stimme hatte ein tiefes Grollen angenommen, wie Donner hinter einem Berggipfel. „Ja“, kiekste ich, „da ist es sehr gut.“ Das hier würde die beste Massage meines Lebens werden. Er strich mit seinen öligen Fingern meine kleinen Flügel und versenkte sich in mir. Ich entspannte mich fast augenblicklich.

„Was hast du denn zu Mittag gegessen? Du siehst so erfrischt aus“, fragte mich meine Sekretärin, als ich wieder ins Büro kam. „Ach, nichts Besonderes“, sagte ich. „Nur mein üblicher Powerlunch: fettfrei und gut für den Körper.“

Er

Ich hatte mir vor dem Training wieder einmal drei PowerBars reingezogen, aber als ich vor dem Spiegel stand, wurde mir klar, dass die Riegel gut dazu waren, einiges auszubeulen, nur leider nicht meine Muskeln. Über meinem Hosenbund hing ein trauriger Fettbeutel nach draußen, er war nicht zum bersten gefüllt, sondern eher so, als hätte ich gerade erst angefangen einzukaufen. Mittelmäßigkeit verachte ich wie Light-Zigaretten oder Diät-Bier – wenn man etwas tut, muss man es schon richtig machen. Ich hatte also entweder die Wahl, richtig fett zu werden. Oder ich würde endlich etwas unternehmen.

Ich sah mich um. Bauch-Beine-Po war wirklich ein sehr frauenlastiger Kurs, da hatte Pfosten Recht gehabt. Die Trainerin, eines dieser jungen, elastischen Dinger mit einem ins Gesicht gefrästen Fickwunsch kam auf mich zu gefedert, um mich persönlich zu begrüßen. „Na, sieh mal einer an“, sagte sie, „ein Mann bei uns im Kurs. Dich bringen wir schon auf Vordermann.“ Dem Zucken in ihren Händen konnte ich ansehen, dass es ihr nur unter größter Anstrengung gelang, mir nicht in den Bauchspeck zu kneifen. Stattdessen tätschelte sie mir die Schulter und drehte dann ab, um die Anlage voll aufzudrehen.

Sie war eine ehrgeizige Mieze. Bei jeder einzelnen Übung kam sie, um mich richtig hinzubiegen, mein Bein anzuheben oder mit ihrem scharfen, kleinen Arsch vor mir herumzuwackeln. Obenrum hatte sie ihre Apfelbrüste in einen dieser engen Anzüge gequetscht, so dass die Babys an der Luft schnuppern, aber nicht wirklich hinaus konnten. Nach ein paar Situps, während derer sie mit gespreizten Beinen über mir gestanden hatte, waren meine Sporthosen so eng geworden, dass ich Angst hatte, es würde mir das Blut abschnüren. Am liebsten hätte ich sie auf die Matte geknallt, um auf der Stelle ein paar Übungen für die Muskeln an meinem Hintern zu machen, aber mir war klar, dass das eine Menge Ärger geben würde. Stattdessen trollte ich mich in die Dusche. Manchmal muss man selbst für ein Happyend sorgen, wenn das Leben einem nicht zur Hand geht.

Zum Glück war der Duschraum leer. Endlich wurde mir klar, warum es neben der üblichen Großraumdusche auch immer eine mit Kabine gibt. Ich stellte mich hinein und schäumte ordentlich. Ein selbstgemachter Orgasmus verbraucht ungefähr 70 Kalorien. Mir ist wirklich jedes Mittel recht.

 


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.



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