Staubsauger und andere Weltretter

Warum ein Orgasmus manchmal nicht das Wichtigste ist

Von Paula Lambert

Sie

Der Bumsfilz war noch nicht ganz aus den Haaren gekämmt, als es schon an der Tür klingelte. Hastig griff ich nach dem Erstbesten, das ich zu fassen bekam, und warf es mir über. Im kühlen Luftzug, der aus dem Flur kam, richteten sich meine Nippel auf und stachen hart gegen den dünnen Stoff. Ein La-Perla-Nachthemd war vielleicht nicht das richtige, dachte ich noch, um einem Staubsaugervertreter die Tür zu öffnen, aber sei’s drum.

Das Lächeln hing in seinem Gesicht, als hätte es jemand dort vergessen, und seine Augäpfel versuchten, nicht nach unten zu glotzen, schafften es aber nicht. „Ich bin noch feucht“, sagte ich halb entschuldigend, und das stimmte auch, allerdings war ich es nicht nur von der Dusche. Dort, wo Wassertropfen auf meiner Haut zurückgeblieben waren, wurde der Stoff langsam durchsichtig. Der Vertreter wischte sich durchs Gesicht, und als er sich bückte, stellte ich mich so, dass er mir gut zwischen die Beine gucken konnte. Ich hätte gedacht, dass ich nach dieser Nacht so gut wie leer gevögelt wäre, aber ich fühlte mich immer noch brünftig wie ein Achtender. Ich kannte das schon, Frühling eben.

Er piepste mit heiserem Stimmchen seinen Namen und begann dann, geschäftig an seinem Vorführstaubsauger herum zu machen. Am liebsten hätte ich seinen Kopf genommen, ihn mir in den Schoß gestopft und mich ein wenig ergötzt, aber der Zustand meines Teppichs machte mir klar, dass ein Staubsauger nötiger war als ein Orgasmus. „Dann mal los“, sagte ich und ließ mich nach hinten auf mein Sofa fallen. Das eine Bein ließ ich angewinkelt stehen. Ich bin schließlich keine Spielverderberin.

Es war rührend zu sehen, wie er sich bemühte, seinen Ständer zu verbergen. Er hielt sich das Staubsaugerrohr vor sein eigenes, dann wieder kreuzte er die Beine und drehte sich seltsam zur Seite, als müsse er etwas an eine Tafel schreiben. Er hantierte mit verschiedenen Aufsätzen. „Dieser hier ist beachtlich. Damit kommen Sie an Stellen, wo vorher noch nie ein Rohr war“, sagte er und wurde rot wie ein Schulbengel. Irgendwie süß. Während er den Vertrag fertig machte, stellte ich mich hinter ihn, damit er meinen Venushügel an seinem kleinen Arsch spüren konnte. Nachdem ich eine Weile zugesehen hatte, wie er sich immer wieder verschrieb, ließ ich von ihm ab. Ehrlich, wenn ich keinen Termin gehabt hätte, wäre er nicht ohne Belohnung hier raus gegangen.

Er

Tanya sah wie immer heiß aus. Selten hatte ich eine solche Frau erlebt. Die Schenkel waren zu vollkommenen Keulen geformt, und ihr Hintern war durch den engen Anzug in zwei dicke, runde Kugeln gepresst. Jedes Mal, wenn ich sie sah, hatte ich Lust, mir ihr Gesäß zu schnappen und mit meinen Zähnen einzelne Fetzen des Stoffes abzufetzen, bis ihre satt rosafarbene Haut bar vor mir läge. Kurz zog ich in Erwägung, ein wenig an mir herumzuspielen, ließ es aber, weil Jason auftauchte.

Ich kapierte nicht, was für ein Typ Jason war. Er schien überhaupt keine Libido zu haben. Wenn ich Tag und Nacht von derart scharfen Weibern umgeben wäre, wäre ich längst wund. Ashley zum Beispiel, Mann, die würde ich mir am liebsten mit zur Arbeit nehmen, einfach, damit sie ein bisschen bei mir auf dem Schoß sitzt und mir den Stift hält. Jason ging vor meinen Augen hin und her. Ich hatte das Gefühl, dass er gerne stehen bleiben und seine Muskeln befühlen wollte. Aber er tat es natürlich nicht, er war ja kein kompletter Idiot. Frauen stehen nicht auf solche Männer. Ashleys Haar flatterte im Wind. Ich schnupperte ein wenig, wie ein Hund auf einer Fährte, in der Hoffnung, ein wenig ihres Duftes aufzuschnappen. Dann tauchte Tanya wieder auf und wackelte mit ihrem Hintern vor mir hin und her, bis ich bereit war, aufzuspringen. Meine Hose wölbte sich zu einem gewaltigen Segelboot. Nach ein paar Minuten ließ ich den Mast heraus an die frische Luft.

Ich konnte kaum hören, was sie sprachen. Es ging um einen Kristall, Zeo oder so ähnlich, weiß der Henker. Und um irgendwelche Juwelen, die sie brauchten, um die Welt zu retten. Immer, immer waren sie damit beschäftigt die Welt zu retten, sie hatten da einen richtigen Knacks weg. Und wer kümmerte sich um mich? Ich musste mir mal wieder selbst helfen. Gerade, als ich so richtig schön in Wallung war, hörte ich die Wohnungstür klappen.

Man sollte einer Frau nie die Schlüssel zu seiner Wohnung geben. Es war zu spät. Sie hatte die Stimmen schon gehört und kam schnurstracks ins Zimmer. Die Sache war peinlich. Aber zu lügen hatte keinen Sinn. Sie stemmte die Hände in die Seiten und sah ganz genau so aus wie meine Mutter. „Guckst du wieder Power Rangers?“ Ich zuckte mit den Schultern.

Mit runtergelassenen Hosen ist ein Mann immer wehrlos.

 

Apropos Staubsauger:

Apropos Orgasmus:

       


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.



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