Liebesfieber

George Clooney und die Steilmann

Von Paula Lambert

 

SIE

Die Bediensteten hatten gerade erst die Staubtücher von den Möbeln genommen. Die Flocken tanzten in den Sonnenstrahlen, die durch die halb geöffneten Fenster fielen. Ich atmete tief ein. Ihr billiges Kellnerinnenparfüm hing immer noch in der Luft. Penetrant war sie, diese Sarah Larson, das musste man ihr lassen. George hatte völlig Recht, die Tussi rauszuschmeißen. Ein Klassemann wie George Clooney brauchte eine Klassefrau. In diesem Moment spürte ich seine Hand auf meiner Schulter. „Nespresso?“, flüsterte er. „What else“, hauchte ich zurück. Während George in der Küche hantierte, zog ich mich aus und ging durch den Salon nach draußen in den Garten. Dort stand neben dem künstlichen Wasserfall eine Handvoll Musiker. Die Sängerin hauchte „Blue Eyes“ in das Mikro und die Band schien am Einschlafen zu sein.

Georges Schritte knirschten auf dem Kies. Er sah drahtig aus. Kein Wunder. Er hatte mit Brad und Matt einen Wettbewerb um das schönste Sixpack am laufen. Zum Glück hatten Brad und Matt wegen der Kinder kaum noch Zeit zum trainieren. Wir schon.

An Kaffeetrinken war natürlich nicht zu denken. George war kein Mann, der Dinge gerne verzögerte. Er stand aufgerichtet wie ein Baukran vor mir. Die Band im Hintergrund dudelte ungerührt weiter. Nur die Sängerin schien zeitweise ihren Text vergessen zu haben.

Er bog mich vor sich hin, bis ich zusammenknickt da stand wie Spielkarten in einem Kartenhaus. Mir stieg das Blut heiß in den Kopf und die Musik dröhnte in meinen Ohren. Immer noch war ich überrascht von seiner Größe und seiner Ausdauer. Wir kamen gleichzeitig. Erschöpft kroch ich zum Pool, um mir etwas Abkühlung zu verschaffen. Ich ließ mich ins Wasser hinab, aber da war George schon wieder, bretthart, bereit, mich in den siebten Himmel zu schicken. Das Wasser gluckste hektisch in den Ablauf, während George mich gegen das Blau der Kacheln stieß. Meine Brüste schaukelten auf den Wellen, mein Haar hing mir nass und strähnig in meinen geöffneten Mund. „Oh, George“, seufzte ich. „You truly are the greatest of all time.“ Ich konnte spüren, wie die Wogen der Lust mich zu verschlingen drohten. Und dann, kurz vor dem Höhepunkt, spürte ich leichte Schläge im Gesicht. Jemand kniff mich in den Arm. Ich schlug die Augen auf. George war fort.

„Hast du Fieber?“, fragte Peter. „Lieber Himmel, du glühst ja.“ Das einzig gute an einer Herbstgrippe war, das man den ganzen Tag im Bett bleiben konnte.

 

ER

Das Fieber hatte auch mich erwischt, nur dass ich mir nicht leisten konnte, im Bett zu bleiben. Ich musste wie ein Gentleman aus der Sache mit der Steilmann wieder herauskommen, und zwar bevor das Weib meine Karriere ruinierte. Unglücklicherweise hatte sie zwei Möglichkeiten dazu: Entweder sie schwärzte mich bei den anderen an – Verhältnisse mit einem Mitglied des Vorstands waren tödlich. Oder sie stellte mich kalt, weil ich sie nicht wollte. So oder so war ich gefickt, sprichwörtlich gesehen. Jeden Tag graute mir vor der Mittagspause. Während die anderen lunchen gingen, musste ich es der Steilmann besorgen. Ich war erschreckend dünn geworden.

„Was ist los?“, fragte sie, während sie meinen Lurch würgte, bis er fast das zeitliche segnete. Ihre Metzgerhände waren heute besonders grob, vielleicht hatte sie zu viele Entlassungspapiere unterschrieben. „Du scheinst mir nicht bei der Sache zu sein.“ Ich versuchte, per Handbetrieb das Blut in mein Lieblingswerkzeug zurück zu bekommen, aber es fiel mir verdammt schwer. Ich glotzte auf ihre tollen Brüste mit den aprikosenfarbenen Warzen und dann auf das dunkel gekräuselte Haar ihrer Scham. Sie war ein Prachtweib, rein äußerlich. Ich stellte mir vor, sie zu vögeln, aber schon der Gedanke daran, wie sie versuchte, mich zu Tode zu reiten, drehte mir den Hahn zu. „Ich habe die Grippe“, murmelte ich und schmiss sie auf den Rücken, damit ich sie ein bisschen züngeln könnte. So hatte ich den Mund zu voll um zu antworten und sie würde hoffentlich ihre Klappe halten.

Während sie zu zucken und keuchen begann, versuchte ich, mein fieberndes Gehirn auf die Reihe zu kriegen. Das beste wäre, ein anderer würde sie übernehmen. Dann könnte sie quasi mit mir Schluss machen, und ich wäre der arme Typ, der verlassen wurde. Nur: keiner hielt es länger als eine Nacht mit ihr aus. Im Bett war sie wirklich die untalentierteste Frau, die ich jemals getroffen hatte.

Sie packte mich am Kopf, um mich fester an sich heranzuziehen. Mir wurde noch heißer, als es mir eh schon war. Ich strengte mich mächtig an, nur ein Orgasmus konnte mich noch retten. Wobei, Erstickungstod wäre natürlich auch eine Möglichkeit. Keine sehr würdevolle, aber immerhin: eine Möglichkeit.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.



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