Tränen lügen nicht
Hamburgs Parteien im Rosenkrieg. Das Trennende überwiegt.
Nun kämpfen sie, meine Leute in Hamburg, weil am 20. Februar eine neue Bürgerschaft gewählt wird. Interessant eigentlich: In kaum einer Stadt ist so viel liberaler Geist zu Hause, nur in die Hamburger FDP hat er sich schon lange nicht mehr verirrt. Die Hamburger FDP, ein notorisch zerstrittener Salo-Maso-Club (nur für Mitglieder), für die politische Kultur der Stadt ohne Bedeutung, ist seit langem von allen guten Geistern verlassen. Sie hat keinen Kopf, deshalb präsentiert sie ein Gesicht, die hübsch unerfahrene PR-Beraterin Katja Suding, und das unter Vorbehalt. Oder wie soll man es verstehen, wenn eine Spitzenkandidatin von ihrer eigenen Partei mit schlappen 67 Prozent Zustimmung in den Wahlkampf geschickt wird?
Die Hamburger CDU, die Partei der notorischen Fallrückzieher, die immer mit einem Eigentor enden, hat keine Köpfe und nicht mal mehr ein vorzeigbares Gesicht. Personell und geistig erschöpft schickt sie eine Kröte ins Rennen, die niemand schlucken möchte. Spitzenkandidat Christoph Ahlhaus kommt mit seiner First Lady eher noch mal in die „Bunte“, als dass ihn die Hamburger in freier demokratischer Wahl zum Bürgermeister wählen.
Und die Grünen? Sie haben auf ganzer Linie versagt, tun aber so, als seien sie es nicht gewesen. Schmerzhaft war das Ende der schwarz-grünen Romanze. Heidelberger Fass und grüne Tonne trennten sich unter Tränen. Katharina Fegebank, die Landesvorsitzende, wollte die Trennung nicht. Die GAL ging mit allen Projekten baden und setzte keins ihrer Wahlversprechen um, einige Radwege ausgenommen. Anja Hajduk, jetzt Spitzenkandidatin der GAL, profilierte sich bei Glatteis als Senatorin für Knochenbruch, weil ihre Behörde auf einen angemessenen Streudienst verzichtete und eine kaum noch übersehende Zahl von gestürzten Hamburgern in die Notaufnahmeneingeliefert wurden. Die Senatorin stürzte nicht. Christa Goetsch, Spitzenkandidatin a. D., richtete als Schulsenatorin ein Chaos an, das erst durch eine Volksabstimmung gestoppt werden konnte. Als Lehrerin weiß sie, was es heißt, noch mal ein Jahr zu wiederholen. Aber vier Jahre? Diese Strafe hat sie nicht verdient. Und Hamburgs Schulwesen auch nicht.
Bleibt einige Hoffnung für die SPD, die Hamburg viele Jahre als politisches Grundeigentum betrachten durfte, die Stadt mit den sicheren Wahlkreisen für Herbert Wehner und Helmut Schmidt, als solide Wertegemeinschaft eine wurzelechte Hamburgensie. Es ist aber auch die Partei, die so wild mit ihren Flügeln schlagen kann, dass sie nicht einmal den Sturzflug sauber hinbekommt. Schummeleien, Intrigen, Diebstahl von Wahlzetteln. Nun schüttelt sie sich den Dreck aus ihren Kleidern, setzt auf Olaf Scholz, der den Laden, so scheint es, in Ordnung bringt und erst einmal befriedet. Anders als sein Gegenkandidat ist er ein Profi mit Erfahrung. Innensenator in Hamburg, Bundesarbeitsminister, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. Generalsekretär der SPD, Parteivorsitzender (in Hamburg), stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion und der Bundespartei. Er ist in Hamburg verwurzelt, ging hier zur Schule, kam als Juso aus der linken Ecke, Fachanwalt für Arbeitsrecht, lebt in Altona und hat als Bundestagsabgeordneter seinen Wahlkreis immer direkt gewonnen. Nun gut, er ist kein Charismatiker. Aber wenn Politiker Charisma entwickeln, wird es gefährlich. Ich bin schon dankbar, wenn sie ihr Handwerk verstehen und auf dem Teppich bleiben.




