Upgrading
Unser Keks aus Hannover
Die Älteren unter uns werden sich erinnern. Als Rudolf Scharping sich zum SPD-Vorsitz hochgearbeitet hatte, formulierte der bayerische Existenzialphilosoph Gerhard Polt den unvergessenen Satz: „Ein Knäckebrot will Kanzler werden."
Nun geht es um mehr, um den künftigen Bundespräsidenten. Niemand wird Christian Wulff, den meine Leute in Berlin als Kandidaten für dieses Amt aufstellen, für ein Knäckebrot halten. Knäckebrot knackt und staubt beim Hineinbeißen. Wulff staubt nicht und hat nichts knackiges, gleicht eher dem Leibniz-Keks, den Klassiker aus Hannover, angenehm buttrig, leicht gerundete Ecken, austauschbar.
Was spricht gegen einen Keks, den alle Mütter lieben? Der junge Mann hat schon einiges vorzuweisen. Er hat spontan dem singenden Biojoghurt (stern) Lena Meyer-Landrut einen Staatsempfang bereitet. Er hat zwar keine große Auslandserfahrung, war aber regelmäßig in Wolfsburg. Er ist kameratauglich, sieht dem ZDF-Wetter-Experten Gunther Thiersch zum Verwechseln ähnlich, hat aber die angenehmere Stimme. Er ist Katholik, wenn auch geschieden. Seine zauberhafte junge Frau hat Freude an roten Teppichen und gesellschaftlichem Glanz, gern auch in der „Bunten".Wer es schafft, Glamour nach Hannover zu bringen, ist schon mal ein Präsidenzfall. Christian Wulff wird getragen von Sympathie auch in Wirtschaftskreisen, bis hin zum upgrading für die ganze Familie durch „Air Berlin". Nun ja, das hat er etwas verstolpert, weil man als Landesvater solche Geschenke nicht annehmen sollte. Aber das upgrading ins Schloss Bellevue wäre völlig legal. Flair Berlin.



