Wer hat die Fische geschrumpft?

Wie mir eine vertraute Gewissheit abhanden kam

Von Claus-Peter Lieckfeld

Copyright: Klaus Steves

Foto: Klaus Steves

Große Netzgrößen! Immer nur die alten, größeren Fische fangen, verlangt die nachhaltige Bewirtschaftung der Meere. Völlig falsch… ?

Beim Faktenfischen zum Thema Fisch ist mir eine schlimme, gleichwohl vertraute Gewissheit abhanden gekommen. Gefischt hatte ich im neuen world ocean review (2) – sozusagen dem Waldschadensbericht der Meere, einem höchst lobenswerten (weil faktenreichen und verständlichen) Report, den wissenschaftliche Institute und die Zeitschrift mare herausgegeben haben. Meine vermeintliche Gewissheit lautete: Überfischung rottet nicht nur große Bestände sondern auch Fischarten aus.

Dem ist wohl nicht so; denn „ehe die Bestände so klein sind, dass Arten verschwinden, wird der Fischfang unrentabel“ (Seite 31), sagt der Report.

Die Freude über diese gute Nachricht wurde mir aber halbwegs verdorben durch eine andere, eine wenig gute. Der Fang-Druck auf Fisch ist besonders groß auf Große, auf erwachsene Exemplare. Diese Altersgruppe produziert den besten (stärksten, gesündesten) Nachwuchs. Wird die obere Altersgruppe – was notorisch der Fall ist – in übergroßem Umfang weggefangen, vermehren sich die gerade eben geschlechtsreife Tiere in unnatürlichem Umfang. Die Trawler agieren wie Züchter, die ein Merkmal (Kleinheit) zum vorherrschenden machen; sie setzen eine „fischereiinduzierte Evolution“ in Gang, die, sollte der Fangdruck nachlassen, „wenn überhaupt, erst im Laufe von Jahrhunderten“ in gesunde Gefilde rückpegelt. Der Selektionsdruck liegt auf geringe Körpergröße. Arten verzwergen.


 


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