Diese Woche: Lebensstandards

Warum Auswandern Spaß macht. Oder auch nicht.

Von Michael Schophaus und Marc Bielefeld

Schophaus: Bielefeld? Bieelefeeeeeld! Wach auf! Haste gelesen, wir müssen nach Norwegen. Behauptet jedenfalls der Human Development Index (HDI). In Norwegen wirst du 80 komma fünf Jahre alt, kriegst 53,4 Dollar pro Nase, und der Bildungsindex liegt bei 0,989. Also, ab nach Stavanger!
   
Bielefeld: Wofür und wie oft kriege ich denn die 53,4 Dollar? Pro Nase, okay, davon habe ich eine. Aber auch pro Tag? Denn das werde ich da oben mindestens brauchen. Oder besser: pro Stunde. Weißt du, wie teuer ein gutes Glas Schnaps im hohen Norden ist? Siehste. Das schreiben sie in diesem menschlichen Entwicklungsindex nämlich lieber nicht, was? Mein gut Rat, lieber Schophaus: Traue keinen Statistiken, bleib brav an Deinem Schreibtisch sitzen und bete völlig unmanipuliert zu Churchill.
 
Schophaus: Schnapsnase. Pappnase. Was weiß ich. Stand so in der Süddeutschen. Der glaube ich. Immer. Schon weil sie die schönsten Überschriften macht. Hat mal geschrieben „Ooanline is“, als die Wiesn eine eigene Homepage bekam. Aber zurück zur Statistik der Lebensstandards. Ist ein Nullsummenspiel. Da ändert auch der olle Winston nichts dran. No sports? Von wegen, der war Londoner Stadtmeister im Schwimmen und ein ganz toller Reiter. Statistik? In Irland kam raus: Je mehr Heilige Messen es in einem Ort es gibt, desto weniger wird getrunken. Aber auch: Wo es Cricket Clubs gibt, leben die meisten Säufer. Weißte Bescheid? Übrigens: Niger wurde letzter beim HDI.
 
Bielefeld: War mal im Niger. Schnapsindex unter null, Sandsturmindex über 1000, Index für die Lebensqualität, nun ja, ich weiß nicht, aber hoch war der nicht. Wohin wollen wir denn nun auswandern? Hat der HDI nicht irgendwo einen gesunden Mix aus gutem Wein, Palmen, netten Damen und einem Leben ohne Tod im Programm?
 
Schophaus: In Molwanien, im Land des zahnlosen Lächelns. Da ist der Goldplompenindex ganz ordentlich. Gibt nur ein Problem: Die Ein- und Ausfuhrbestimmungen Molwaniens gehören mit zu den strengsten in ganz Europa. Erwachsene Reisende dürfen maximal 2500 Zigaretten pro Person einführen, Kinder nur 1500. Keine Beschränkung gibt es hingegen für mitgeführte Alkoholmengen. Du musst aber darauf vorbereitet sein, dass Zollbeamte Stich- und Kostproben vornehmen. Westerwellen kommen aber garantiert nicht rein. Spricht sehr für das Land.
 
Bielefeld: Na also! Wenn du dann bitte, obschon Nichtraucher, auch noch 2500 Kippen einführst, wären wir bei 5000. Lass mal rechnen. Dann könnten wir rund 125 Tage bleiben. Es sei denn, du fängst da unten an zu qualmen. Dann können wir wohl doch nur ein paar Wochen bleiben. Andererseits: Wenn da irre Minister, buhlende Nebenminister, wortbrüchige Superminister und sonstwie koalierende Hornochsen  tatsächlich auf dem Index stehen, könnt’ ich da auch ewig bleiben. Man bedenke nur den somit adhoc ins Undenkbare gehobenen Lebensstandard! Vielleicht würde ich dann sogar mit dem Rauchen aufhören. Ham die Palmen?
 
Schophaus: Klar. Palmen. Goldzähne. Steile Zähne. Einfach alles. Da möchte ich sterben. Aber nicht so wie Harry Rowohlt, dieser defätistische, geniale, nahtoterfahrende Schmierant. Wenn ich wüsste, sagt er einmal, dass ich nur noch 24 Stunden zu leben hätte, würde ich mir die Mündung meiner 38er Spezial in den Mund stecken, mit dem rechten Daumen den Sicherungsbügel gegen den Kolben drücken und mit dem linken Daumen abdrücken, weil ich in den nächsten 24 Stunden sonst  an nichts anderes denken würde als daran, dass ich in 23, 22, 21, 20, 19, 18, 17, 16, 15, 14, 13, 12, 11, 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2 Stunden sterben muss. Und das wäre vertane Zeit. Also, alles spricht für Molwanien, Bielefeld.
 
Bielefeld: So machen wir’s, verehrter Schophaus. Buchst du die Tickets? Ich bin dann nur mal kurz los, 5000 Zigaretten kaufen. In Molwanien zähle ich dann runter. 4999, 4998, 4997, 4996 … Und bei null nehmen wir dann keine 38er Spezial, sondern zwei Panzerfäuste. Rotwild und steile Zähne jagen. Molwanien, wir kommen!


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.



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