Diese Woche: Vorsätze

Geld macht frei, und Odysseus war ein Badewannenirrfahrer

Von Marc Bielefeld und Michael Schophaus

Bielefeld: Schophaus, ich hab da mal 'ne Frage. Warum haben wir unsere Kolumne eigentlich nicht „Emil + die Digestifs“ genannt?

Schophaus: Schon mal was von Wortspiel gehört, Bielefeld? Ich dachte doch dabei an den ollen Kästner, das Buch habe ich geliebt. Und du? Denkst wieder nur ans Saufen. Das passt zu dem Bild, dass du da oben bietest. Zerrüttet, verzagt, völlig ohne Poesie. Und außerdem hast du mächtig einen an der Mütze.

Bielefeld: Guck dich mal an, ein Gesicht wie ein Heißluftballon. Außerdem: Ich finde meinen Vorschlag genial. Nach ein, zwei Jahren könnten wir dann übergehen zu „Emil + die kleinen Verdauungsschnäpse“. Oder gleich zu „Emil + die Verteiler“. Ich glaube, dann werden wir Kult. Und megareich, weil wir dann gezielt Korn- und Schnapsfabrikanten auf unserer Kolumne Bannerwerbung machen lassen könnten. Natürlich für extrem viel Geld. Reichwerden ist übrigens mein oberster Vorsatz für 2010 bis 2013. Ich hasse schreiben. Und ich hasse Schreiber. Wichtigtuer sind das, Affen. Ich liebe Geld. Geld macht frei. Ist doch so, oder?

Schophaus: Ja, macht es, ohne Frage. Da muss ich dir recht geben, auch wenn es schwer fällt. Frei im Beruf, frei an der Tankstelle, frei im Freien, frei im Denken, frei allüberall.

Bielefeld: Ich will nicht denken. Ich will Geld!

Schophaus: Du Konformist. Oder wie nennt man so einen Typen wie dich ohne großes Latinum? MAGDA macht uns reich. Da bin ich sicher, wir werden bei ihr unseren Rest-Charme spielen lassen. Du wirst sehen, sie hilft uns aus dem Dispo.

Bielefeld: Ich sag Dir was. Ich bin eine Dispo-Queen. Da hast du dein Wortspiel. Und erwähne nie, nie wieder das Wort! Hörst du?

Schophaus: Aha, der Herr Bielefeld. Er kann ja doch mit dem Alphabet umgehen. Buchstabensuppe gegessen? Okay, dann macht uns MAGDA eben zu Helden. Helden! Darüber müssen wir auch mal reden. Nicht nur über deine Verteiler. Gerade hörte ich Atze Schröder, diese freche Schnauze, über Borussia Dortmund sagen: Bei euch gibt es so viele Helden. Da hätte selbst Odysseus in der zweiten Mannschaft gespielt.

Bielefeld: Jetzt komm mir bloß nicht mit den alten Griechen. Soweit ich weiß, irrte Odysseus eine gute Dekade lang durchs Leben sowie durch diverse Vor- und Nebenhöllen. Da kenne ich mich aus. Honorarhöllen. Schreibhöllen. Zeilenhöllen. Redaktionshöllen. Dispohöllen. Gegen mich ist Odysseus ein Badewannenirrfahrer. Ich will da raus. Mein absolut granitfester Vorsatz: Ich wil Geld! Meinst du, „iMehl + die Adjektive“ könnte ziehen? Ich denke an gezieltes Hardcore-Sponsoring von Apple!

Schophaus: Eher zieht es an meinem Fenster, Bielefeld. Schon mal an „Igel + die Perspektive“ gedacht? Phonetisch nicht ganz sauber. Aber Tiere, die ziehen wirklich immer. Und damit du mal was lernst: Email und Email, ehemals Emaille, schreibt man heute neurechtsprachlich gleich. Bielefeld, das hier ist das reinste Chaos. Weißt du, was ich mir wünsche fürs neue Jahr? Endlich mal ein ordentliches Thema. Nächstes Mal. Versprochen?

Bielefeld: Du hast getrunken, oder? Okay, von mir aus. Ein  Thema. Nächstes Mal also dann ganz und wirklich absolut ernsthaft über Merkel, Werte, Moral, das Experiment Mensch, Autos, Kinderkriegen, Zeitungskrise, Wirtschaftskrise, Depressionen, tote Torhüter, Verlagskrise, Umweltkrise, Bankenkrise, RTL, Kirchensteuer, Gott, Glaubenskrise ... Siehste!! Hiiiilfe! Ich will Geld! Ich will hier raus, nix wie raus!

Schophaus: Tote Torhüter? Rede nicht von Dingen, die du nicht verstehst. Denke lieber mal an den Lokführer oder an Titanic. Immer böse, dieses faulige Käseblatt: Es schrieb über den Selbstmord unseres depressiven Nationalkeepers: In die Enke getrieben! Das finden die wohl heiter. Und da sind wir wieder am Anfang. Ich hasse nicht nur schreiben. Ich hasse auch Schreiber.

Bielefeld: Sach ich ja. Prosit 2010!


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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