Das Einser am Fuß der Zugspitze

München und GAP finden auch während der Ski-WM nicht zueinander

Von Tom Dauer

Copyright: Tom Dauer

Die härteste Tür der Stadt öffnet sich derzeit in Garmisch – oder auch nicht.

Da steht er also, weißer Mantel mit Pelzkragen, schwarzer Hut, dunkle Sonnenbrille, der Dreitagesbart leicht angegraut. Damir Fister heißt der Mann. In München hatte er es einst zu einer gewissen Berühmtheit gebracht, weil er geschickt genug war, sich mit seinem Job als P1-Türsteher zur Marke zu machen. Aber das ist lange her. Heute lebt das P1, das mal ein mythischer Ort gewesen sein soll, von seinem Ruf, ein mythischer Ort gewesen zu sein. Der Club hat jedenfalls bessere Zeiten gesehen.

Trotzdem hielt es der Garmischer Tourismusdirektor Peter Nagel für eine tolle Idee, das P1 für die Zeit der Alpinen Ski-Weltmeisterschaft in seinem Kongresshaus nachbauen zu lassen. Und dazu gleich auch noch die „Türsteher-Legende“ Damir Fister zu engagieren. Das mit der Legende hat aber nicht der Nagel gesagt, sondern das Garmisch-Partenkirchner Tagblatt geschrieben.

Überhaupt hat sich die Lokalzeitung ganz arg darüber gefreut, dass „das Einser seine Außenstelle am Fuß der Zugspitze öffnet“. Weil die Redaktion aber die Sorge hatte, dass die Garmischer und Partenkirchner womöglich nicht so genau wissen könnten, wie man sich als Landmensch in einer Nobeldisco beziehungsweise an deren Tür verhält, bat sie den P1-PR-Manager diesbezüglich um ein paar gute Tipps.

Daraufhin antwortete Row Weber zum Beispiel: „Männer, die ein Mädl am Start haben, kommen eher rein als zehn Typen, die zusammen einmarschieren wollen.“

Oder: „Unsere Türsteher sind Höflichkeit gewohnt. Da lässt sich auch in Garmisch keiner schief von der Seite anquatschen.“

Und: „Schauen Sie doch einfach auf unsere Website. Da können Sie sich für ihr Styling  ein paar gute Ideen holen.“

Solche Dinge lässt sich der Werdenfelser natürlich nicht so gerne sagen. Weil, er hat dann das Gefühl, als Hinterwäldler abgestempelt und nicht ernst genommen zu werden. Das ist ihm im Zusammenhang mit alpinen Großereignissen zuletzt häufiger so ergangen.

Willy Bogner zum Beispiel, ehemaliger Chef der Bewerbungsgesellschaft für die Olympischen Spiele, die 2018 auch in Garmisch-Partenkirchen stattfinden sollen, kanzelte die dortigen Bauern als eine Meute raffgieriger Geschäftemacher ab. Und der Münchner Bürgermeister Christian Ude hält den Widerstand der Einheimischen, die ihre Grundstücke nicht für Olympische Spiele hergeben wollen, nach wie vor für einen „Sturm im Wasserglas“. Wenn es nötig sei, glaubt er, könne man benötigter Flächen auch durch eine „vorläufige Besitzeinweisung“ habhaft werden. Das mag der Werdenfelser natürlich gleich zwei Mal nicht.

Es ist in diesem Zusammenhang ganz aufschlussreich, wie die Garmischer und die Partenkirchner auf die vorübergehende Kolonisation ihres Nachtlebens durch die Münchner P1-Propheten reagieren: mit einem aus Stolz und Selbstbewusstsein gespeisten Trotz nämlich, der die gut gemeinten Tipps aus der Lokalredaktion so kommentiert: „Jetzt wissen wir zwar alle, wie man ins P1 kommt. Aber warum wir da reinkommen sollen, das verrät uns keiner.“ So oder so ähnlich könnte das auch für die Olympischen Spiele gelten.


 

Anzeige: 1 - 2 von 2.
 

hans

http://keineahnung.de

Montag, 28-02-11 05:38

Herr Dauer, sie sind ein Bauer. Seien Sie doch froh, dass Ihr verstaubtes Nest mal Besuch bekommt.

Sehen Sie sich doch mal Ihre demografischen Verhältnisse in Garmisch an. Sie sterben aus! Einwenig leben könnte auch Ihnen gut tun.

Das P1 hin oder her... solange Garmisch im Gespräch bleibt sollten Sie dem Tourismusdirektor für seine Entscheidung danken.

Amen

 

muminga

Donnerstag, 03-03-11 21:26

olympia 2018 is a münchner ding, wos in gap soll sei. da derf der schef damir a schoma in gap stylepolice sei. Damir sei dank hamm a guade zeit ghabt, oda ned?

 
 

Mit ... teilen: 



Artikel empfehlen
Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


NEU

Streit
12.10.2016

Leidenschaften
11.01.2017
Der Volltreffer von Eppendorf
Liebeserklärung an eine Kneipe
Von Michael Schophaus (Text) und Frank Dietz (Fotos)

Die Reportage
06.08.2014

Die Stadt und ich
01.03.2014

Wiese und Weltall
12.12.2014

Bel Etage
14.04.2015

KrossMedia
12.01.2015