Das Haufendorf Blankenese

Meine Möpse erspüren die Grenzen der Zivilisation

Copyright: Rio Risotto

Die Nase gehört nicht zu den hervorstechenden Merkmalen in der Physiognomie des Mopses Hugo. Gleichwohl ist sie bestens konditioniert im Aufspüren alles Menschlichen (Foto: Rio Risotto)

Wer in dem schönen Blankenese einen Hund an der Leine führt, hat Verständnis für das, was man Notdurft nennt. Ich widme der Verdauung meiner Möpse gebührende Aufmerksamkeit, plane meinen Terminkalender nie, ohne ihren natürlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, und gehe niemals ohne einen ausreichenden Vorrat an Gassi-Beuteln spazieren, die es bei Budni an der Kasse gibt. Neulich habe ich einen dieser Beutel in sogar meiner Smoking-Jacke gefunden,  kann mich aber an den Anlass nicht erinnern.

Alle Hundebesitzer, die wir kennen, haben diese Beutel bei sich. Selbst der Kolumnist Harald Martenstein. Wir sind eine Sammlungsbewegung, halten stolz aber gebeugt, im zivilisatorischen common sense unsere Parks sauber.

Und doch kommt es immer wieder vor, dass die Möpse und ihre Freunde von der Hundewiese, auf der sie ohne Leine verkehren dürfen, ins Gebüsch stürmen und dort verweilen, weil Hunde leider eine gute Nase haben, und - wie soll ich es sagen - allem Menschlichen gegenüber aufgeschlossen sind.

Der Mops prüft zunächst den Nachrichtenwert seiner Funde. Er checkt die Pi-Mails, die seine Artgenossen an Bäumen und Wegrändern hinterlassen haben. Doch der persönliche Kontakt, der unter Blankeneser Möpsen gepflegt wird, ich denke an die beinahe täglichen Begegnungen mit Emma und Käthe, Titus und Tina, Jamie, Kalle und Kurt, womit ich längst nicht alle Blankeneser Möpse genannt habe, selbst dieses Meeting frei laufender Möpse ist gestört, wenn sie die Witterung versteckter menschlicher Hinterlassenschaften aufnehmen.

Die Erfahrungsmedizin bei Tieren kennt dieses Phänomen und benennt es als „Perversen Appetit". Angeblich liege dabei eine Störung des Kalkhaushaltes vor, der mit Calcium carbonicum D6 zu begegnen sei. Oder mit einer 2ml Trinkampulle (oral ins Mäulchen). Aber es wäre klüger, die Verursacher des Problems zu therapieren. Mein Voschlag: Gassibeutel für alle.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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