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Erst die Hymne, dann die Tore

Braucht Fußball-Deutschland eine passendere Nationalhymne?

Von Claus-Peter Lieckfeld

Hymnen und Fangesänge (Photo: Wikimedia Commons)

Jetzt treten sie wieder. Fußball total. Frauen- und Männerbeine sind aufs Äußerte angespannt. Aber vorher muss es hymnisch sein. Die TV-Kamera schwenkt über Kicker-Lippen, die mehr oder minder textsynchron in Bewegung geraten. Ob Lukas–der-Spannstoß–Podolski weiß, was „Glückes Unterpfand“ bedeutet? Muss er nicht, er singt ja sowieso nie mit … aus Rücksicht auf Polen und dessen Hymne: „Noch ist Polen nicht verloren …“. (Das wäre übrigens eine gute Motto-Hymne zu Beginn der zweiten Halbzeit, falls Polens Equipe mal mit Rückstand in die Pause gehen sollte.)

Dass der ursprünglich Text der deutschen Hymne „Gott erhalte Franz den Kaiser!““ gelautet hat, kann nicht wirklich stören. Franz Beckenbauer schon gar nicht. Aber irgendwas stört, finde ich: Nicht Haydens Ton – die Melodieführung ist tonmeisterlich und nicht so gepoltert wie viele Hymnenmelodien - nein, der Ton, der im Text steckt, stört. Oder sagen wir richtiger: er missbehagt - wenn man nur ein wenig  hineinhört in unsere letzten anderthalb Jahrhunderte und den langjährigen Stellenwert von Freiheit bei den Wilhelms, Friedrichs, Adolfs und Walters.

Einigkeit und Recht und ( …da war doch noch was? Richtig:) Freiheit. Zu fordern bleibt, Freiheit gehört nicht ganz nach hinten sondern an die erste Stelle. Wir entlehnen diese Erkenntnis einem Denk-Kick Off der Giordano Bruno Stiftung, Ein Gedanke, der schon häufig, zuletzt vor ein paar Jahren, zu Beginn des Deutschen Sommermärchens, veröffentlicht wurde. Brechts Alternativ-Hymne  statt Fallerslebens Dröhntext.

Zumal die ersten beiden Zeilen von Brechts alternativer Fassung brilliant aufs Spielfeld passen.

Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Dass ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land

Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.

Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir's
Und das liebste mag's uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.

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