Der Klimawandel vor der Haustür

Mediterrane Arten siedeln in der Nordsee

Copyright: Monika Rößiger

Den Flohkrebs unter die Lupe genommen: Wissenschaftler Franke an seinem Arbeitsplatz (Foto: Monika Rößiger)

Der Meeresbiologe Heinz-Dieter Franke blickt von seinem Büro aus direkt auf die Nordsee. An der Biologischen Anstalt Helgoland (BAH) beschäftigt er sich mit Nahrungsnetzen und Biodiversität unter dem Einfluss des Klimawandels. „Die Gewässer rund um Helgoland gehören zu den am besten untersuchten Meeren in Europa“, sagt er. Seit Anfang der sechziger Jahre werden marine Umweltfaktoren wie Wassertemperatur, Salzgehalt oder die Konzentration von Nährstoffen vor der roten Felseninsel werktäglich erhoben. Die Aufzeichnungen über Meeresorganismen reichen sogar noch weiter zurück – beinahe 150 Jahre. Solche Langzeit-Datenreihen offenbaren, wie sich das lokale Artenspektrum verändert hat: Viele wärmeliebende Arten sind in die Nordsee eingewandert.

Rund 40 neue Spezies haben Wissenschaftler bislang registriert, darunter die Streifenbarbe, die eigentlich eine mediterrane Art ist. Außerdem Sardinen und Sardellen, Schnecken, Quallen, Großalgen und Krebse. Eine ökologisch wichtige Tiergruppe sind die Flohkrebse. Im Nahrungsnetz der Lebensgemeinschaften auf dem Meeresboden spielen sie eine bedeutende Rolle, da sie andere Tiergruppen an Individuenzahl, Biomasse und Artenvielfalt oft übertreffen. Flohkrebse gelten seit langem als sensible Indikatoren für die Qualität von Wasser und Sedimenten; und als ökologische Spezialisten eignen sie sich besonders gut, um veränderte Umweltbedingungen zu dokumentieren.

Aus diesen Gründen haben Heinz-Dieter Franke und seine Mitarbeiter die Flohkrebse genauer unter die Lupe genommen. Nach einer Inventur der Arten stellten sie fest, dass mindestens sieben von ihnen sich erst in den letzten zwei Jahrzehnten vor Helgoland angesiedelt haben. Zwar wurde eine der sieben Arten aus dem Nordpazifik eingeschleppt, die anderen sechs Arten aber bevorzugen eindeutig wärmere Gewässer. Deshalb gehen die Forscher davon aus, dass diese ihren Siedlungsraum im Zuge der Klimaerwärmung ausgedehnt haben.

Die Folgen des Klimawandels machen sich auch für den Menschen bemerkbar, zum Beispiel beim Nahrungsangebot. Heimische Arten wie der kälteliebende Kabeljau (Gadus morhua) und Seelachs (Pollachius virens) wandern gen Norden ab, was für die Fischerei angesichts der bereits überfischten Bestände keine gute Nachricht ist. „Das Gleichgewicht wird sich noch stärker in Richtung wärmeliebende Arten verschieben,“ prognostiziert Karen Wiltshire, Vize-Direktorin des AWI. Manche der Einwanderer breiten sich übermässig aus und können den Lebensraum dann dominieren, wie zum Beispiel die Pazifische Auster. Sie hat sich im Wattenmeer stark vermehrt und überwuchert heimische Miesmuschelbänke mit ihren robusten Schalen. Auch mit einer weiteren Zunahme von Quallen und Rippenquallen sei zu rechnen. Da sie sich überwiegend von Plankton ernähren, würden sie dann mit Fischen um Nahrung konkurrieren.

Ein massenhaftes Auftreten von Quallen würde sich noch für einen anderen Wirtschaftszweig negativ auswirken: den Tourismus. Am Ende einer Quallenblüte werden die Tiere oft in Massen an den Strand gespült, was Spaziergänger nicht gerade erfreut. Und für Badegäste ist das mehr als nur optisch abschreckend, da es in Nord- und Ostsee auch diverse Arten gibt, die Hautreizungen und Verbrennungen hervorrufen – etwa die Gelbe Haarqualle (Cyanea capillata). Im Jahr 2007 traten Plagen mit solchen und ähnlichen Quallen im Mittelmeer und vor der englischen Küste auf, was mehrfach zur Schliessung von Stränden geführt hat. Solche Szenarien könnten dann auch an Nord- und Ostsee auftreten.

Was bis zum Ende dieses Jahrhunderts an Erwärmung des Oberflächenwassers zu erwarten ist, hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Meteorologie errechnet. „Die Modellergebnisse zeigen, dass die Temperatur in der Nordsee um durchschnittlich zwei Grad ansteigen wird und die der Ostsee um drei bis dreieinhalb Grad,“ erläutert Hartmut Heinrich, Referatsleiter für die Physik des Meeres am BSH. Als Basiswert für diesen Anstieg gilt der jeweilige Wert zum Ende des 20. Jahrhunderts. Trübe Aussichten also, erst Recht nach dem Scheitern des Rio plus 20-Gipfels.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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