Umwelthauptstadt Hamburg

Was spricht eigentlich gegen Siemens?

Meine Leute sehen gern das Große, denken und handeln auch dort global, wo der Charme der politischen Provinz überwiegt. In Hamburg zum Beispiel. Sie haben die Hansestadt zur Umwelthauptstadt Europas ausgerufen, und mit Siemens einen finanzkräftigen Sponsor gewonnen. Daran stören sich die Naturschutzverbände, BUND und Greenpeace, weil Siemens auch Kernkraftwerke baue. Wie kurzsichtig!

Siemens hat nachweislich eine Kernkompetenz in Steckdosen. Will Hamburg Umwelthauptstadt sein, braucht es am Hafen dringend eine Steckdose für die rund einhundert großen Kreuzfahrtschiffe, die in diesem Jahr erwartet werden, und die, weil es keine Steckdose gibt, ihren Strom selbst produzieren müssen, aus eigener Kraft, mit Maschinen, die überwiegend mit Schweröl laufen, einem Stoff, der so viele gesundheitsgefährdende Abgase an die Luft lässt, dass Kreuzfahrtschiffe nicht in Wohngebieten liegen dürfen.

Ein einziges dieser illuminierten Emissionsmonster verpestet in 24 Stunden so viel Atemluft wie 40000 Autos. Würden die Pötte ihren Strom von Land beziehen, aus einer Steckdose mit modernster Siemens-Technologie, könnte die Umwelthauptstadt sich als Luftkurort bewerben. Bad Hamburg an der Elbe. Damit wäre auch das größte Problem gelöst: Wer denn den Strom von hundert Kreuzfahrtschiffen bezahlen soll. Den Reedern kann man keine Stromgebühren zumuten, sie würden um Hamburg einen Bogen machen und stattdessen Liverpool oder Brunsbüttel anlaufen. Die armen Kreuzfahrtpassagiere haben für ihren Törn schon einige Tausend Euro hingelegt. Sie sind Gäste der Stadt.

Nein, es gibt nur einen Weg, die Stromgebühren zurück zuholen: Die Kurtaxe, die Hamburg als saubere Umwelthauptstadt erheben kann. Die Finanzbehörde könnte Mautstellen an der Uferpromenade einrichten und für den Spaziergang an der Elbe eine moderate Schiffsbetrachtungsgebühr verlangen (an Tagen, an denen die „Queen Mary 2“ einläuft, mit Zuschlag).

Nach unseren Informationen ist auch eine Elbblicksteuer im Gespräch. Aber sie hätte vor allem die Anrainer der Elbchaussee mit den ungeraden Nummern getroffen, deren Grundstücke nämlich an der Elbseite liegen. Der bürokratische Aufwand ungerade von geraden Hausnummern zu trennen (von denen einige auch über Elbblick verfügen), wäre für die überlasteten Finanzämter nicht zumutbar gewesen. Deshalb beschränkt sich die Stadt vorerst auf eine generelle Kulturabgabe für Hotels. Kreuzfahrtschiffe, die auch Hotels sind, werden davon ausgenommen.


 

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Kinski

http://www.elektroland24.de/Schalter-Steckdosen/Gira

Mittwoch, 09-02-11 10:54

Kurtaxe in Hamburg klingt aber echt komisch... Das wird sich meiner Meinung nie durchsetzen.

 
 

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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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