Mit der Kraft der Sonne um die Welt

Solarkatamaran von Expedition über die Ozeane zurück

Copyright: Planetsolar

Immer der Sonne nach: Der Solarkatamaran unterwegs (Foto: Planetsolar)

Die schwierigste Etappe stand ihnen gegen Ende der ehrgeizigen Reise bevor: Die Passage durch den Golf von Aden, wo es vor Piraten nur so wimmelt. Bis dahin konnte man die erste Weltumrundung eines Solarbootes im Internet verfolgen, die Erlebnisse der Crew per Logbuch-Blog nachlesen, sich an ihren Erfolgen mitfreuen. Etwa die Guinness-Rekorde für die schnellste Überquerung des Atlantik sowie des Chinesischen Meeres mit einem Solarschiff.

Im Herbst 2010 hatte die „MS Tûranor PlanetSolar” ihre Weltreise im Hafen von Monaco begonnen, im Mai 2012 kehrte sie dorthin zurück. Aber im April, kurz vor Schluss, verschwand sie vom Radar der Öffentlichkeit: Keine Blog-Einträge mehr, keine Positionsdaten. Der futuristisch anmutende Riesenkatamaran war abgetaucht.

Er ist das größte Solarschiff der Welt und bietet Platz für 40 Personen. Fast das gesamte Deck des 31 Meter langen und 15 Meter breiten Schiffes ist mit blauschwarzen Modulen ausgelegt, die auf einer Fläche von mehr als 500 Quadratmetern Sonnenergie einfangen. Der gesamte Antrieb des Schiffes wird mit Hilfe der Photovoltaik generiert; ebenso der Strom für die Geräte an Bord. Lithium-Ionen-Akkus speichern überschüssige Energie, damit das Boot auch nachts oder bei bewölktem Himmel fahren kann. Der Katamaran ist ein sogenannter Wave-Piercer, seine Rümpfe durchschneiden die Wellen, statt über sie hinweg zu fahren.

„Der Solarkatamaran besteht nur aus Materialien und Technologien, die bereits heute für den Massenmarkt produziert werden“, erklärte der Schweizer Raphaël Domjan zu Beginn der Expedition. Der Gründer des Projektes und seine Mitstreiter wollten zeigen, dass bereits heutige Technologien „sehr leistungsfähig sind und die Seefahrt revolutionieren könnten“. 

Ihre Reise über die Weltmeere führte die sechsköpfige Crew CO2-frei und lautlos vom Mittelmeer über die Straße von Gibraltar in den Atlantik. Den überquerten sie in der Rekordzeit von 26 Tagen und 34 Minuten. Nach Stationen in Miami und beim Weltklimagipfel in Cancun (Mexiko) ging es durch den Panamakanal in den Pazifik. Dort konnten sie einen zweiten Rekord für sich verbuchen: Mit mehr als 18.000 Kilometer hatte die Tûranor die längste Strecke zurückgelegt, die je mit einem Solarfahrzeug erreicht wurde. (Rekordhalter war bis dahin ein Solarauto mit einer Strecke von rund 15.000 Kilometern.) Anschließend durchquerte die Tûranor den Indischen Ozean und eben jenen berüchtigten Golf von Aden, ehe sie über das Rote Meer und den Suez-Kanal ins heimische Mittelmeer zurückkehrte.

„Wir sind sehr glücklich, diese erste Weltreise mit Solarenergie geschafft zu haben”, sagte Expeditionsleiter Raphaël Domjan nach seiner Ankunft in Port Hercules, nachdem die marinen Solarpioniere 60.000 Kilometer über alle Ozeane zurückgelegt hatten. „Wir haben gezeigt, dass wir die Technologie und das Wissen haben, um unseren blauen Planeten zu schützen.“ Die Erkenntnisse dieser Reise könnten nach Ansicht von Sven Teske von Greenpeace International für den Yachtbau und die Personenbeförderung mit kleineren Schiffen interessant sein. Was die Handelsschifffahrt angeht, käme Photovoltaik als Antrieb wohl nicht infrage, allerdings für die Stromversorgung an Bord. Es wäre schon viel gewonnen, wenn zumindest die Kommunikation und Navigation CO2-frei betrieben würden.

Ähnlich sieht es Olaf Mager, Sprecher des Germanischen Lloyd, der die Tûranor klassifiziert hat. Bei Handelsschiffen wie Tankern, Automobil-Transportern oder Fähren, denen Flächen für Solarmodule zur Verfügung stünden, sei es denkbar, einen Teil des Strombedarfs durch Sonnenenergie zu decken. Vorausgesetzt, die Investition stehe in einem vertretbaren Verhältnis zum Nutzen. Er hält Innovationen wie durch das Solarboot Tûranor grundsätzlich für wichtig. Dem stimmt auch Andreas Hübscher vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik in Bremen zu, Projektmanager für Green Shipping. Beide weisen auf die Notwendigkeit hin, den Verbrauch an fossiler Energie bei der Schifffahrt zu reduzieren. Am einfachsten sei es erstmal, die Geschwindigkeit zu drosseln, das werde inzwischen auch schon getan.

Weitere Einsparpotentiale liegen zum Beispiel in einer Kombination aus verbesserten Rotoren und Skysails. Die Tûranor ist bereits heute international zertifiziert für eine weitere Nutzung. Ob für wissenschaftliche Zwecke, als weltgrößte mobile Solarplattform und -batterie oder als "grüne" Luxusyacht – alles sei möglich, verkündete der deutsche Solarenergie-Pionier Immo Ströher, der das Projektes  mitbegründet und finanziell unterstützt hat, am Ende der Öko-Expedition.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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