Der fränkische Patient

Verloren in Berlin. Ein Arztbesuch der dritten Art

Von Fritz-Jochen Kopka

stihl024/pixelio.de

Erst nerven die Pollen, dann die Ärzte. Foto: stihl024/pixelio.de

Gerade, als er besonders angestrengt und unter permanentem Termindruck arbeiten musste, suchte Lampe-Rehna der Heuschnupfen heim („Ich habe es geahnt.”). Sein Kopf steckte in einem warmen Nebel, und auch das, was er aufs Papier brachte, dünkte ihn wie Nebel, er hatte keine Ahnung, ob es zu gebrauchen war. Er brauchte eine Cortison-Spritze, wie sie ihm früher sein Hamburger Arzt verabreichte, es war eine Notsituation, er musste arbeitsfähig sein, er konnte nicht warten, bis sein Kopf frei war, aber von den Berliner Ärzten wusste er bereits ein Lied zu singen. Er hielt die Telefonnummer seines Hamburger Arztes bereit, da würden sich die Kollegen konsultieren können, und alles ging seinen Gang.

Lampe-Rehna wollte nichts anderes als seine Arbeitsfähigkeit wiederhergestellt wissen. Er ging in die Dietzgen-Straße, wo er schon an der Sprechstundenhilfe scheiterte. Was haben Sie denn, fragte die Frau abweisend, Heuschnupfen, keuchte Lampe-Rehna, als sei es ein Zauberwort. Ja, was denn, sagte die Frau unhöflich, und Lampe-Rehna wurde wütend, weil er das Gefühl hatte, sich nicht fachmännisch auszudrücken, aber er war ja kein Mediziner.

Na, Heuschnupfen, Allergie, sagte er wütend, die Augen brennen, die Nase dicht, der Kopf zu, ich brauch ä Cortisonspritze (Lampe-Rehna war Franke).

Ä Cortisonspritze, sagte der Drachen am Empfang säuerlich und den Tonfall Lampe-Rehnas unbegabt parodierend, das wissen Sie alles selber, Sie sind sicherlich Mediziner. Nein, sagte Lampe-Rehna, aber mein Arzt in Hamburg gibt mir in solchen seltenen Fällen ä Cortisonspritze, ich habe die Nummer dabei, da kann sich Ihr Chef konsultieren, das ist das Einzige, was mir hilft.

Das macht der Doktor nicht, sagte die Dame. Gehen Sie doch zu Ihrem Arzt in Hamburg.

Ich bin aber hier in Berlin, leider, sagt Lampe-Rehna erbittert.

Dann benehmen Sie sich bitte auch wie ein Berliner.

Nun wurde die Dame auch noch didaktisch.

Hören Sie, sagte Lampe-Rehna, um Fassung ringend, ich weiß gar nicht, warum ich hier mit Ihnen rede, ich bin krank, ich möchte Ihren Chef sprechen.

Die Dame wanderte ins Sprechzimmer, kehrte zurück und sagte: Der Doktor macht das nicht. Oh doch, rief Lampe-Rehna und stürmte ins Sprechzimmer.

Sie haben im Wartezimmer einen Aushang des Inhalts, dass der Gesundheitsminister die Ärzte kujoniert, ich sage Ihnen, Ärzte wie Sie müssten noch viel mehr kujoniert werden, weil der Patient bei Ihnen keine Rolle spielt, ich bin krank, ich brauche eine Cortisonspritze. Nicht von mir, sagte der Arzt und grinste kalt, Sie könne sich Ihr Geld wiedergeben lassen, von mir werden Sie nicht behandelt. Das ist unterlassene Hilfeleistung, Sie haben den Hippokratischen Eid gebrochen, für mich sind Sie kein Humanmediziner, für mich sind Sie ein Feldscher, rief Lampe-Rehna, er stieß noch zwei weitere Drohungen aus, mehr fielen ihm nicht ein, nur noch: Sie hören von mir, das schwöre ich Ihnen. Der Arzt lächelte.

Das Lachen wird Ihnen vergehen, zischte Lampe-Rehna, aber er war sich verdammt noch mal nicht sicher.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.



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