Unerwünschter Besuch auf Samoa

Die Invasion von Mungo & Co.

Von Monika Rößiger

Copyright: Jamie Lovelock

Kleiner Mungo: Possierlich und gefährlich zugleich (Foto: Jamie Lovelock)

Nicht einmal 24 Stunden dauerte es, bis das Phantom in die Falle ging. Ein seltsames Tier, so hatte die Samoanische Hafenbehörde zuvor dem Umweltministerium gemeldet, treibe sich in der Nähe der Schiffsanlegeplätze herum. Als innerhalb von drei Tagen weitere Berichte von einem ungewöhnlichen Wesen am Hafen eingegangen waren, machten sich Mitarbeiter des Ministeriums auf den Weg, um das Tier einzufangen. Sie waren höchstalarmiert. Der Beschreibung nach hätte es ein Mungo sein können, ein kleines Raubtier, possierlich und schlau, das es auf Samoa nicht gibt – und auch nicht geben sollte. Fachleute fürchten seine Invasion, weil es der einheimischen Fauna mit spitzen Zähnen zuleibe rückt.

Was sich am nächsten Tag in der Falle fand, bestätigte tatsächlich alle Befürchtungen: Ein Kleiner Indischer Mungo (Herpestes javanicus (auropunctatus), 37 Zentimeter groß, ein geschlechtsreifes Männchen. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) führt diese Art auf der Liste der 100 schlimmsten "Bio-Invasoren" der Welt. Sie gehört zur Familie der Mangusten und treibt im pazifischen Raum schon seit längerem ihr Unwesen. Verantwortlich dafür ist allerdings der Mensch.

Im 19. Jahrhundert brachte er den Kleinen Indischen Mungo absichtlich auf die Inseln von Hawaii und Fidschi, um die Rattenplage in den Zuckerrohr-Plantagen einzudämmen. Eine frühe Form von „biologischer Schädlingsbekämpfung“, wie sie damals üblich war. Leider nicht sehr durchdacht. Über die Folgen wurde man sich erst später klar, als es schon zu spät war. Die gewitzten Räuber beschränkten sich nicht auf Ratten, sondern machten Jagd auf alles, was sie kriegen konnten – und wenn sie dafür in einen Hühnerstall einbrechen mussten. So halten sie es bis heute.

Mungos sind für erstaunliche Fähigkeiten bekannt, vor allem ihre Unerschrockenheit gegenüber Schlangen und Skorpionen. Die kleinen Pelztiere können sich blitzschnell bewegen und sind durch ihre Reaktionsschnelle auch giftigen Gegnern überlegen. Obendrein schützt sie ihr dichtes Fell vor Schlangenbissen, daher schrecken sie nicht mal vor einem direkten Kampf mit den Reptilien zurück. Der britische Schriftsteller Rudyard Kipling hat so einen Kampf in seinem „Dschungelbuch“ beschrieben und den „tapferen“ Mungos damit ein Denkmal gesetzt.

Da der Kleine Indische Mungo laut Weltnaturschutzunion „gefräßig“ und „unersättlich“ ist, kann er für einheimische Wildtiere eine große Gefahr werden. „Er hat die Ausrottung einiger endemischer Arten von Vögeln, Reptilien und Amphibien verursacht und gefährdet andere,“ heißt es im Steckbrief der IUCN-„Schurkenliste“ über ihn. Außerdem kann er die Tollwut übertragen. Inseln bergen oft einen erheblichen Anteil an Endemiten, also Tiere oder Pflanzen, die nur dort und nirgendwo anders vorkommen. Wenn sie sich nicht im Laufe der Evolution an vergleichbare Räuber anpassen konnten, haben sie in der Regel kaum eine Überlebenschance.

Wie aber hat es der Mungo bis auf die Südseeinsel Samoa gebracht? Die DNA-Analyse des gefangenen Tieres weist darauf hin, dass es wahrscheinlich von Fidschi stammt. In den Hafengegenden der Hauptinsel Viti Levu sind Mungos nichts Ungewöhnliches; außerdem sollen sie schon auf Schiffen entdeckt worden sein, die von dort kamen. Der Samoa-Mungo könnte also „mit einem Frachtschiff von Fidschi gereist sein, das Baumaterial und Arbeitsgeräte nach Samoa gebracht hat“, erklärt Alan Tye. Der Biologe arbeitet in der samoanischen Hauptstadt Apia für die Organisation SPREP (Secretariat of the Pacific Regional Environmental Programme), die von den Regierungen der Südpazifikstaaten ins Leben gerufen wurde und sich um Umweltbelange der Region kümmert.

Dazu gehört auch das Einfangen unerwünschter Besucher. Von Amts wegen wurden 30 Todesfallen und noch mehr Lebendfallen mit Dosenfisch beködert und vor allem in Hafennähe aufgestellt. Auf diese Weise soll weiteren Mungos, die als blinde Passagiere auf Schiffen unterwegs sind, die Einreise nach Samoa verwehrt werden. Auch in einer globalisierten Welt und in den Weiten des Südpazifiks hat Freizügigkeit ihre Grenzen.


 


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Mein fremder Freund: Ob der Islam zu Deutschland gehört, steht dahin. Sicher jedoch ist, dass jeder von uns einen Menschen kennt und mag, der einer fremden Kultur entstammt. Anlass genug, ihn in einer kleinen Portraitfolge aus dem ominösen Migrationshintergrund treten zu lassen, eh ihn Sarrazin abschafft. Ein ähnliches Ziel haben sich die Fotografen Wim Woeber und Ralph Wentz vorgenommen, der Porträts aus der Kölner Keupstraße wir im Rahmen unserer Serie zeigen.


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