Die Mitte streikt

Wolfgang Michal unterwegs in Queens

Die Mittelklasse ist stinksauer (Foto: Wolfgang Michal)

Wir waren gerade auf dem Weg ins Filmmuseum („Museum of the Moving Image“), als wir vor einem Telefon-Laden des IT-Konzerns "Verizon" in einen kleinen Menschenauflauf gerieten. Etwa 50 Gewerkschafter der „Communications Workers of America“ (CWA), alle in roten T-Shirts, schimpften und buhten, wann immer jemand den Laden betreten (und den Streik brechen) wollte.

Der Stadtteil Queens ist ein eher ruhiges Pflaster: Reihenhäuschen, nette Vorgärten, fast zu normal für New York. Und vor dem Laden protestierte nicht die Unterschicht, sondern die „Middle Class“. Sie protestierte gegen die unverantwortliche Steuerpolitik der Regierung Bush/Obama, die es ermöglicht hat, dass der Verizon-Konzern, der 2009 und 2010 mehr als 24 Milliarden Dollar verdiente, keinerlei = NULL Dollar Einkommenssteuern zahlen musste. Der Konzern bekam sogar noch 1,3 Milliarden Dollar vom Finanzamt zurückerstattet. (Und so geht es vielen Konzernen in Amerika. Warren Buffett hat den Steuer-Wahnsinn jüngst kritisiert).

Doch trotz der hohen Profite und der faktischen Steuerbefreiung reduzierte der Konzern – nach Angaben der Gewerkschaft - die vergleichsweise gut bezahlten Arbeitsplätze in der Festnetzsparte in den vergangenen fünf Jahren von 173.000 auf 92.300. Die Zahl der schlecht bezahlten Jobs in der Mobilfunksparte stieg dagegen von 55.700 auf 79.000.

Laut Gewerkschaft verschiebt Verizon die Beschäftigung gezielt auf schlechter bezahlte, nicht gewerkschaftsgebundene Mitarbeiter. Über diese Themen berichtet das Handelsblatt (natürlich) nicht.

Das Filmmuseum hat uns aber trotzdem gut gefallen.

 


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