Ein Tag im Leben des Ivan Ivanov

Die beste Predigt ist die Tat

Von Claus-Peter Lieckfeld und Andrea Künzig

© Andrea Künzig
Bogumil auf dem Weg in die Vertikale - aber
gottlob nicht auf die schiefe Bahn
alle Fotos: Andrea Künzig

Bogomil, 11, ist Ninjakämpfer. Nachwuchsstaffel. Ninjas arbeiteten im alten Japan als kultische Meuchelmörder, und seit etlichen Jahren feiern sie Auferstehung als zappelige Comicfiguren, die vorzugsweise senkrechte Wände rauf laufen. Deshalb übt Bogomil schon mal auf einer ziemlich schiefen Ebene, einer McDonald´s-Werbetafel, die irgendwie ihren Weg in Pater Ivans Heim für Schutzlose gefunden hat, nach Novi Han, fünfzehn Kilometer südöstlich von Sofia.

Bogomil wird später für das Gute kämpfen und sich immer nur die Bösen vorknöpfen. Das hat er Pater Ivan versprochen. Und was man „Daddy“ verspricht, ist ein Gelübde. Weit mehr als das Große Kinderehrenwort.

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Pater Ivan mit seiner Großfamilie

Ivan Ivanov - eigentlich Ieromonah Ioan, 65, orthodoxer Abt und Leiter des Heims von Sankt Nikolai für Waisen und ledige Mütter - nutzt ein paar arbeitsfreie Momente für anerkennende Blicke aus seinem Privatwinkel im Obergeschoss. Sich etwas zuzutrauen, etwas zu wagen, sich zu beweisen und daraus Mut zu schöpfen - das ist Teil seiner Pädagogik der Menschenliebe. Und darum wird er übermorgen mit den etwas älteren seiner gut hundert Kinder zu einem Klettergarten im nahen „Nördlichen Gebirge“ aufbrechen.

Täglicher Kampf uns tägliche Brot

Eigentlich hätte er dafür keine Zeit, denn es geht einmal wieder ums Ganze. Um das Überleben seiner Überlebensinsel für 135 mittellose Menschen, die ohne ihn durchs unterste Raster des ärmsten EU-Staates fallen würden. Aber am Glück seiner Kinder hat Vater Ivan noch nie gespart.

Während er durchs Fenster nach draußen blickt, zupft der Frühlingswind an seiner weißgrauen Bartmatte und zwirbelt sein Haupthaar, das hinten zu einem Zopf gebunden ist und unter seiner orthodoxen Kamilavka-Kopfbedeckung hervor strubbelt. Ivan wischt sich den Sprühregen von den Brillengläsern und schließt das Fenster. Bogomils Agiiiiiiej-Schreie klingen nur noch gedämpft herauf.

Bevor sich Pater Ivan wieder über seine Aufzeichnungen beugt – „ach, diese Kommission nachher, es gäbe wahrlich Wichtigeres zu tun!“ - füttert er noch einen flügellahmen Milan, der in einem Dachverschlag hinter seinem Schlafzimmer herumhopst. „Ein kluges Tier“, feixt er, „es lehnt genmanipulierte Salami ab und verlangt Bio-Schlachtabfälle.“

Der abgestürzte Greif ist leicht satt zu bekommen. Für die anderen Heimbewohner - alleinstehende Mütter mit vielen, teilweise mit sehr vielen Kindern - gilt das nicht gleichermaßen. Der Kampf um Nahrung ist für Ivan fast schon zu einem bedingten Reflex geworden, ähnlich wie der Schluckreflex seiner hungrigen Schützlinge. „Zwischen fünf und sechs Uhr morgens, wenn die Säuglinge und Kleinkinder noch schlafen, schreibe ich meine besten Bettelbriefe“, grinst er und teilt auch gleich mit, wo man deren Erfolge besichtigen kann.

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"Lasset die Kinder zu mir kommen".
In der Kirche von Novi Han

In der kleinen orthodoxen Kirche zum Beispiel, der einzigen von ehemals sieben in Novi Han, die von den Kommunisten nicht platt gemacht wurde, und die nun eine Stirnseite der Anlage bildet. Im Eingangsbereich, an drei Seiten flankiert von orthodoxen Ikonenmalereien, stauen sich zwischengelagerte Kartons und Tüten mit Reis, Dosenfleisch, Fertigsuppen, Pasta, Zwiebeln und Gemüse. Vom Altar weht ein Geruch wie von Rosenöl herüber. Wenn man sich, um die Geruchsquelle genau zu orten, vorwärts bewegt und sich dabei nicht rasch genug an das Dämmerdunkel gewöhnt, stolpert man leicht. Im Zwielicht versteckt steht ein Dreibein: ein Stativ für Fernsehscheinwerfer, zurückgelassen für die nächste, sicher nicht allzu ferne Übertragung.

Erst kürzlich wurde landesweit die von Pater Ivan zelebrierte Karfreitagsmesse von hier aus übertragen. Wichtiger als die Erhebung über alle orthodoxen Kirchenmänner, über große Kirchen und berühmte Klöster war Pater Ivan dabei, daß die Kameras nach der Messe auch ein paar Bilder seiner Kinder einfingen. Dank Ivans unaufdringlicher, aber unerbittlicher Regieassistenz gerieten diese Bilder wie von selbst zum Spendenappell.

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Mittagessen im Schichtbetrieb;
einen Speisesaal gibt es nicht

Nachträgliche Vermessung

Ivan ist mit einiger Sicherheit der populärste Geistliche Bulgariens, obwohl oder gerade weil er auch der ungewöhnlichste ist. Anders als in der evangelischen oder katholischen Kirche ist soziales Engagement in der bulgarisch-orthodoxen Kirche zumindest unüblich, eigentlich sogar unerwünscht. Ivan hat das mehrfach schmerzhaft erfahren, worüber er nur zögernd spricht.

Anerkennung kommt aus anderer Richtung. Vor ein paar Jahren wurde er zum „Bulgaren des Jahres“ gewählt, und er musste und muss immer wieder aufpassen, nicht schon zu Lebzeiten von Gläubigen und Ungläubigen heilig gestempelt zu werden. Er selbst sieht seine landesweite Popularität pragmatisch, eher so wie ein guter Faustkämpfer seine Führhand: als etwas, das ihn fast unüberwindlich macht. Als etwas, das Gegner und Neider – und von letzteren gibt es viele - davon abhält, allzu sehr mit ihm in den infight zu gehen. Ivan der schrecklich … wirksame.

Das weiß auch die Kommission aus Lokalpolitikern und örtlichen Funktionären, die sich an diesem Vormittag im Hof einfindet. Zwischen Blumenrabatten mit Osterglocken, Tulpen, Perlhyazinthen und blühenden Forsythienbüschen drängen sich plötzlich Feuerwehrmonturen und Polizeiuniformen. Die Bürgermeisterin - eine späte Schönheit mit der Figur einer Zwanzigjährigen und der Betonfrisur einer Heldin der Arbeit – ist erschienen, und in ihrem Gefolge ein Bauabteilungsleiter mit gerolltem Maßband und zwei Protokollführer mit Hartkarton-Schreibunterlagen, auf denen sich vermutlich schon Daten für Fünfjahresplansollerfüllung und lokale Siegesmeldungen geheftet befanden.

Christos, elf Jahre alt, Waise

Es wird gemessen und diskutiert, zurückgefragt und vorgestoßen, abgewogen und kopfgeschüttelt – was in Bulgarien Zustimmung bedeutet. Zwischendurch tauscht man sich über eine neue Richtlinie für nichtkirchliche Begräbnisse aus.  

Pater Ivan sitzt da und strahlt Unwillen ab. Er hatte seine Ausbaupläne zeitig und fristgerecht eingereicht. Jetzt sind sie im Amt verschwunden; etwas, das mit Plänen in Bulgarien immer dann zu geschehen pflegt, wenn sie so lange unbearbeitet liegenbleiben, dass den säumigen Sachbearbeitern Unannehmlichkeiten drohen. Nun will man seine Kopie der Pläne, beziehungsweise die angeblich noch nicht eingereichten. Ivan will nicht. Der Ausbau ist fertig. Was also sollen die Formalitäten noch? Hätte er sich immer der Drehgeschwindigkeit der Amtsmühle angepasst, wären ihm viele Kinder erfroren oder verhungert, sagt er.

Die beste Predigt ist die Tat

Plötzlich ist Ivan verschwunden. Demonstrativ? Ein Kleinkind mit Schnupfennase, das sich im dünnen Stoffpyjama auf seinen Schoß gedrängt hatte, muss vor drohender Erkältung bewahrt werden. Er sucht die Mutter, eine gänzlich mittellose, mehrfach misshandelte Problemmutter von vier Kindern, der er bald eine umfassende Zahnbehandlung spendieren muss, weil ihr Dauerschmerz sie seit Wochen daran hindert, auch nur das Nötigste auf die Reihe zu bekommen.

Im Neubauteil des Heim-Karrees wird gerade ein fabrikneuer Zahnarztstuhl montiert, die Spende einer bulgarisch-deutschen Handelsgesellschaft. Eine Errungenschaft für ganz Novi Han; Ivan denkt da immer auch strategisch. Und ein bulgarisch-deutscher Chirurg aus Hamburg ist zweckmäßigerweise gerade anwesend, um der Kommission von seinen erfolgreichen Bemühungen zu berichten, neben dem Zahnarztzimmer eine kleine Arztpraxis einzurichten.

Ivan kommt zurück in den Hof, das Kind auf seinem Arm trägt nun einen wattierten Anorak, der vielleicht in Stuttgart, Den Haag oder Zürich einmal richtig teuer war. Der Pater drängt die Besucher zu einer Kurzbesichtigung. Die Küche brauche mindestens einen 100-Liter-Topf. Das Laminat im ersten Stock reiße aus. Die Überfüllung in den Gängen sei winters und bei regnerischem Wetter nur aufzulösen, wenn es bald den längst geplanten großen Spiel- und Aufenthaltsraum geben könne. „Und der baut und bezahlt sich nicht von selbst, meine Herrschaften!“

Die Kommission scheint beeindruckt. Aber ihre feuerpolizeilichen Bedenken seien dringlich, sagt ein Uniformierter: All diese herabhängenden Stromleitungen in Griffweite von Kindern!  „Ja, ja…“ sagt Ivan und denkt sich seinen Teil.

©  Andrea Künzig
Volle Konzentration

Der Klageweg: eine Sackgasse

Die Verabschiedung der Kommission gerät etwas knapp. Ivans Ohr klebt schon wieder am Mobiltelefon, während er der kleinen amtlichen Wagenkolonne nachschaut, wie sie durch die Schlaglöcher davonwippt.

Nicht das erste Gespräch dieser Art heute. Ein Kindererzeuger, der – unüblicherweise! - sogar drei Vaterschaften anerkannt hatte, zahlt nun selbst den geringen Unterhaltssatz nicht mehr. Arbeitslos. Das reicht ihm als Begründung. Und nun hat er sich - wie auch immer - der Scheckkarte bemächtigt, mit der sie bisher immerhin kleine Einkäufe tätigen konnte.

Mütter, die versuchen Unterhalt zu erstreiten, scheitern regelmäßig, weil sie sich keinen Anwalt leisten können. So etwas wie Armenrecht existiert in Bulgarien nicht, oder auch wieder nur theoretisch und auf dem Papier.

Real ist etwas anderes: In traditionell landwirtschaftlichen Gebieten wie hier liegt die Arbeitslosenquote um die 25 Prozent. Die Korruption, Erzübel des Balkanstaates, ist zwar nicht mehr die einzige Exekutive Bulgariens, sie zehrt aber immer noch grässlich an Mila rodino, wie die „liebe Heimat“ in der Nationalhymne besungen wird.

Die EU hatte der postkommunistischen Vorgängerregierung der jetzigen bürgerlichen Minderheitsregierung die Fördermittel zusammengestrichen: wegen unzureichender Bekämpfung der Mafia, wegen mieser Jugendpolitik, wegen fast fehlender Rechtssicherheit und ganz besonders wegen flagranter Korruption. Es war aufgeflogen, dass Fabriken zum Schein alle drei Jahre den Besitzer wechselten, weil jeder neue Patron drei Jahre Steuerfreiheit für sich beanspruchen kann. Auch dass mit EU-Mitteln munter imaginäre Feldfrüchte bezuschusst wurden, wurde übel vermerkt. Der Strich aus Brüssel kam und wurde prompt nach unten verlängert: Gesundheits- und Sozialwesen veränderten ihren Zustand von krank auf todkrank.

Diese Situation diktiert Ivan sein Hauptziel: Möglichst unabhängig zu  werden von der leeren öffentlichen Hand. Ein paar Fahrminuten von Novi Han entfernt will er eine kleine Selbstversorgerlandwirtschaft aufbauen. Die Holzbauten stehen bereits, und eine hundertköpfige Schafherde hat sogar schon einen festen Unterstand.

Eine Planierraupe hat einen Stichweg freigeschoben, über den sich vorerst nur geländegängige PKWs voranwühlen können. Durch die angrenzenden, wieder brachgefallenen Felder streifen Wiedehopf und Neuntöter; und wo das Gelände wieder verbuscht, auf dem noch vor wenigen Jahren Kartoffeln angebaut wurden, singt der Sprosser, die östliche Nachtigall. Alle drei Preziosen der europäischen Vogelfauna, Premiumaktien in Öko-Valuta. Nur dass sich davon keiner etwas kaufen kann.

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Essensausgabe. Bisher wurden noch alle satt

Die Schwierigkeiten sind, wie Giersch im Garten, nicht auszurotten. Ivans Idee, über den Eigenbedarf hinaus Milchprodukte herzustellen – „es kauft sich leichter, wenn man nicht immer nur betteln muss“ –, scheiterte an den EU-Hygieneverordnungen. Die Idee, Jugendliche aus Sankt Nikolai zu Tischlern auszubilden, scheiterte an den großen Möbel-Discountern, die brutal billig herstellen lassen und liefern. Die Idee, junge Mädchen schneidern zu lassen, scheitert an zwanzig Millionen Nähmaschinen in China und Taiwan.

Scheitern ist keine Option

Aber Scheitern ist etwas, das Ivan nur vorübergehend akzeptiert, nur solange, wie er für einen neuen Anlauf braucht. Das hat wohl mit dem zu tun, was der Sohn armer Bauern von früher Jugend an erlebte: Nichts geht, dem man nicht selbst Beine macht. Von den Kommunisten am angestrebten Ingenieuersstudium gehindert, baute er sich als Landwirt eine solide Existenz auf, heiratete und zeugte drei Kinder.

Seine Hinwendung zur Kirche kam spät und in der Art eines Damaskus-Erlebnisses. Nur dass Ivan nicht wie Saulus geblendet vom Pferd stürzte, sondern aus dem Sattel eines Motorrades kippte. Danach plagten ihn vier Jahre lang massive Schlafstörungen, die nach dem Gebet mit einem Geistlichen plötzlich und für immer verschwanden. Und Ivan gelobte, ein Heim für Waisen und mittellose Mütter aufzubauen.

Doch ehe er damit beginnen konnte, musste er eine dreijährige Gefangenschaft durchleben, Folter inbegriffen. Er hatte dem allmächtigen kommunistischen Staatsoberhaupt Todor Schiwkow einen Sitzstreik vor dessen Privatwohnung angekündigt, um gegen die Verstaatlichung seiner kleinen Landwirtschaft zu protestieren. Um Ivan in der Haft zu brechen, wurde ihm jegliche Möglichkeit zur Körperpflege verweigert. „Ich sollte mich vor mir selbst ekeln, sollte mich aufgeben.“ Ein Spion, den man ihm als „Mitgefangenen“ in die Zelle gesetzt hatte, wollte ihn zu einer leichten Flucht überreden, die unweigerlich mit dem Vermerk „auf der Flucht erschossen“ amtlich zu Ende gebracht worden wäre. Ivan erkannte die Falle im letzten Augenblick.

In seinen Träumen und Wachträumen sah der Gefangene immer wieder eine Wiese neben einer kleinen Kirche. Als er nach seiner Entlassung zum Priester geweiht wurde, fand er den Ort, an dem dann sein Heim für Schutzlose entstand. Anfangs mit intensiver Unterstützung holländischer Theologiestudenten. Trotzdem war das Projekt von Beginn an durch Hunger, Pleite, Intrigen und Versorgungsengpässe bedroht. „Bevor es ganz schlimm kam, nahte immer wieder Rettung“, erzählt Ivan. Was er nicht sagt: dass meistens er es war, der diese Hilfe in Bewegung setzte.

Wenn es weh tut

Auch Retter brauchen ab und zu mal Retter. Und Ermutiger. An Tagen, an denen sie partout nicht in Sicht sind, können selbst einem wie Ivan die Schritte schwer werden. Dieser Donnerstag war so ein Tag. Mit der Neuinszenierung eines Dramoletts, das auch schon vor der Wende in allen bulgarischen Ämtern lief: das Stück von den verschwundenen Papieren.

Und nun auch noch das! In der kleinen Bibliothek, die Ivan für eine Mutter und zwei Kinder aus Herzogowina hatte räumen lassen, wächst der Unmut. Erst tags zuvor hatte er die drei Vertriebenen einziehen lassen, obwohl eigentlich schon seit Wochen kein bewohnbarer Quadratmeter mehr frei war in Sankt Nikolai. Die gebürtige Bulgarin war nach der Scheidung von ihrem Mann ausgewiesen und in ihrem Geburtsort nicht wieder aufgenommen worden. Ein Notfall - mittellos, heimatlos, hoffnungslos. Da konnte Pater Ivan nicht nein sagen.

Jetzt aber protestiert der Notfall mit geliehenem Mobiltelefon bei allen erreichbaren Ämtern gegen die Enge und die mangelnde Hygiene, verlangt ein größeres Zimmer, während doch selbst kleinere vor Menschen bersten und von trocknender Wäsche verhängt sind. Ivan ist traurig.

©  Andrea Künzig
Alles schläft, einsam wacht

Was hilft gegen den Schmerz der Enttäuschung, wer tröstet Pater Ivan heute Abend? Angelina!  

Angelina ist anderthalb und speichelt gerade Ivans Schulter ein, glücklich glucksend und mit Schokoladenschnute. Sie muss ihren Platz, den derzeit besten und begehrtesten Platz südlich von Sofia, auch dann nicht räumen, als Ivan per Telefon die Kaufverhandlung über eine Schafmelkmaschine führt. Anschließend dirigiert er noch die Pannenhilfe: „Wo seid ihr liegen geblieben? Ich schicke jemand mit dem roten Auto und mit Abschleppseil.“  (Das rote Auto ist so gut wie neuwertig – eine Spende von Rotarierin aus Hanau.) „Seht zu, dass die Reparatur bis übermorgen fertig wird“, sagt Ivan noch und klappt das Mobiltelefon zu.

Denn übermorgen, am schulfreien Samstag, wollen sie mit allen Kindern in einen Klettergarten ins „Nördliche Gebirge“. Ein Wanderverein hat sie dazu eingeladen. Außerdem will Ivan dort mit dem Bürgermeister über eine leer stehende Schule reden, in der sich möglicherweise eine Dependance einrichten ließe.

Bogomil darf mit zum Klettern und hat sein Training nochmals verschärft. Aber am Samstag geht es zu seiner Verblüffung nicht um Ninja-mäßige Steilwandläufe, sondern darum, sich sorgfältig, konzentriert und angeleint über kleine Abgründe zu bewegen. Dass da eine hübsche Elfjährige wie schwerelos am dünnen Neylonseil durch die Baumkronen schwebt, lässt ihn an seinem bisherigen Berufsziel zweifeln. Aber vielleicht kann man ja auch anders gegen das Böse kämpfen.

 

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Mit dem Waisenheim Sankt Nikolai verbindet MAGDA eine besondere Geschichte. Weitere Informationen über dieses Hilfsprojekt finden Sie in einem Artikel unserer bulgarischen Kollegin Galina Valsheva über den 111. Mitbewohner sowie in unserem Beitrag Bescherung für den Nikolaus, der auch das Spendenkonto angibt, über das Sie die Arbeit von Pater Ivan unterstützen können.

Im Hamburger Steinway-Haus wird am 26. Mai eine Benefiz-Ausstellung mit Bildern bulgarischer Künstler eröffnet, initiiert durch Dr. Christo Alexiev. Die Hälfte des Erlöses geht an das Waisenheim Sankt Nikolai. (Rondenbarg 15, 22525 Hamburg, Beginn 19:30)



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