Die Halbinsel der Halbrussen


Auf der Krim bekriegen und vermischen sich seit Urzeiten viele Völker.

Von Tom Schimmeck

Copyright: Tom Schimmeck

Wenn hier warm die Sonne scheint, wirkt der Friede noch friedlicher als anderswo, zwischen all den steinernen Zeugnissen des Kämpfens und Schlachtens. An die 2000 Säulen, Statuen und andere Denkmäler erinnern in Sewastopol, das den russischen Ehrentitel „Heldenstadt“ trägt, an Kriegsgräuel: An den zähen Widerstand gegen die geballte deutsche Wehrmacht, die hier 1941/42 alles kaputt schoss. An die verheerende Belagerung im Krimkrieg 1853-56, der als zehnter (!) russisch-türkischer Krieg gegonnen hatte und bald Frankreich, Großbritannien und Sardinien mit hineinzog. Ein Paradebeispiel für die fatale Sogwirkung bewaffneter Konflikte. Und die oft, ja, himmelschreiende Banalität ihrer Auslöser: Vordergründig war es ein Konflikt zwischen Katholiken und Orthodoxen um die Kontrolle über die Grabeskirche in Jerusalem. Eigentlich aber ging es um die Macht im Nahen und Mittleren Osten, um Schifffahrtswege und die Beute des zerfallenden Osmanischen Reiches.

Leo Tolstoi sah hier aus dem Schützengraben „unaufhörlich die feurigen Streifen der Granaten“. Der später angereiste Mark Twain blickte „kaum auf etwas anderes als Zerstörung, Zerstörung, Zerstörung!“

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Am Hafen der Heldenstadt
(Foto: Schimmeck)


„Wir hatten viel Spaß“

Natascha und ich tranken einen Café bei McDonald‘s, nicht weit vom Hafen, an der Nachimov Allee, nach einem Admiral benannt, der auch zur Statue geworden ist. Neben der russischen Schwarzmeerflotte liegen auch Teile der ukrainischen Marine im Hafen. Unzählige graue Kriegsschiffe sieht man in der lang gezogenen Bucht. Etliche rosten vor sich hin. Auf den Straßen und Märkten wimmelt es von den großen weißen Mützen der Matrosen. Die Einheimischen erkennen gleich, wer zu welchem Schiff gehört. Sewastopol ist beinahe hübsch, die Stadt wirkt überraschend zivil für eine Militärbasis.

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Denkmal der deutschen Belagerung
(Foto: Schimmeck)

Wir nahmen die kleine Fähre, die Süd- und Nordufer der großen Bucht verbindet. Natasha, 31 Jahre alt, Kind der Marine, aufgewachsen in Sewastopol, nun selbst Dozentin an der Marineakademie, saß auf dem offenen, windstillen Deck und schwärmte im milden Abendlicht wie ein Reiseprospekt: Wie wunderschön, wie friedlich ihre Heimatstadt sei. Trotz aller Veränderungen „ein Ort mit einer eigenen Seele, einer sehr speziellen Geschichte und ganz besonderen Bewohnern“. Sie tastete mit den Augen das Panorama ab – die fast unbewegte Wasseroberfläche, die Schiffe, Kräne, die Kathedrale da oben auf dem Hügel. Und lehnte sich, sichtlich zufrieden, zurück.

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Bis 1994 blieb Sewastopol eine geschlossene Stadt, eine militärische Festung, nur mit Sondergenehmigung zu betreten. Der Fürst Potjomkin hatte sie 1784 neu gegründet und flugs zur Bastion der Flotte ausbauen lassen, auf Befehl der Zarin Katharina II, die das Territorium der Krim im Jahr zuvor für russisch erklärt hatte – „von nun an und für alle Zeiten“.

„Es war eine glückliche Kindheit“, sprach die stolze Lokalpatriotin. „Wir hatten viel Spaß. Natürlich gab es Disziplin, das ist ja auch normal. Aber wir waren nicht allzu beengt. Sicher gab es Einschränkungen, wer die Stadt besuchen durfte. Etwa für die Verwandten. Aber das hat unser Leben nicht verdüstert oder uns gar das Gefühl gegeben, in einem Gefängnis zu leben oder in einer Kaserne.“


Fließende Grenzen

Für die meisten von uns ist das Schwarze Meer ein ziemlich weißer Fleck auf der Landkarte, vom persönlichen Radar verschwunden oder nie dort aufgetaucht.

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Friedliche Festung (Foto: Schimmeck)

Dabei stand diese Region notorisch im Zentrum des Weltgeschehens. Am Schwarzen Meer stießen stets Welten aufeinander. Hier wurden Völker, Sprachen, Religionen verwirbelt. Es war umkämpftes Grenzland vieler Reiche.

„Auf der Krim trafen sich Europa und Asien“, schrieb Jules Verne 1883. In seinem Roman „Keraban der Starrkopf“ lässt er einen türkischen Tabakhändler, das Schwarze Meer umrunden. Kereban bereist auch die Krim: „Man kam durch tatarische Dörfer, griechische Häfen, sah orientalische Moscheen, russisch-orthodoxe Klöster, jüdische Synagogen. Selbst die Pferde waren hier mit allen vorkommenden Rassen vertreten, von den kleinen Kosakengäulen über die schweren belgischen Kaltblüter bis zu den edelsten arabischen Hengsten.“

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Als ich es Kereban 125 Jahre später nachtat und das Schwarze Meer umkreiste, vor und zurück, zu Wasser und zu Land, kam ich mit dem Zug von Odessa auf die Krim. Die Küste entlang windet sich die Straße über Höhenzüge nach Jalta. Ein klingender Name. Aber kein besonders schöner Anblick. Plattenbauten beherrschen das Panorama. Nach Osten hin öffnet sich allmählich die Landschaft. Die Steppe beginnt. Vereinzelt sieht man neue Moscheen aufragen: Die Gotteshäuser der heimkehrenden Krimtataren. Die Krim, sagt der britische Journalist Neal Ascherson, der das entscheidende Buch über das Schwarze Meer geschrieben hat, „gehört jedem und niemandem“.

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Bausätze der Geschichte in Sewastopol (Foto: Schimmeck)

Ein immerwährendes Spannungsgebiet, reich an Umbrüchen; eine schier endlose Kette von Konfrontation und Verschmelzung. Selbst die „Russifizierung“ der Krim gelang nie vollkommen.

Und natürlich waren die Russen nicht die ersten Bewohner. Hier, im antiken Tauris, findet man reichlich Knochen. Vor Zehntausenden von Jahren siedelten Neandertaler, dann auch der Homo sapiens auf der Krim. Im Altertum drängten Kimmerier, Skythen, Thraker und Griechen auf der Halbinsel im Schwarzen Meer.

Nach Christi Geburt kamen die Römer, die Goten, Hunnen, Bulgaren, Chasaren, Kumanen, Mongolen und, zwischendrin, auch jene Kiewer Rus, die Russen, Weißrussen wie Ukrainer als ihre Urahnen betrachten. Später segelten Händler aus Genua, Venedig und Byzanz herbei. Bei Sewastopol lag einst die byzantinische Festung Chersonesos. Dann die Stadt Achtiar. Bis heute nennen die Türken Sewastopol Akyar.

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Auf der Fähre
(Foto: Schimmeck)

Im 15. Jahrhundert existierten auf der Krim gleich drei Staatsgebilde:

  • das byzantinische Fürstentum Theodoro, auch Gothia genannt, eine Vielvölkergemeinschaft, zunehmend orthodox geprägt;

  • eine katholische Genueser Kolonie an der Südküste, die regen Handel bis nach China trieb, mit Seide, Pelzen, Fisch und Nüssen, Getreide, Gewürzen, Salz und Sklaven.

  • das Khanat der Krim, das mit Abstand größte Gebilde, im Steppenland der Halbinsel. Ein Zentrum des Islam, mit an die 1600 Moscheen und Religionsschulen.

Dieses Khanat war eine Gründung der Krimtataren, die ihrerseits eine Mischung sind, Abkömmlinge von Dschingis Khan, Überbleibsel der mongolischen Goldenen Horde, die zuvor auch Russland beherrscht hatte. Verschmolzen mit europäischen und einheimischen Gruppen auf der Krim.

Wenn wir nur weit genug zurückschauen, sind wir alle eine Mischung. Aber die Barbaren – das sind immer die anderen.


„Das mischt sich ganz natürlich“

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McSchwarzmeerflotte (Foto: Schimmeck)

Geschichte scheint hier viel aufgeladener, voller Traumata und Mythen. Sie hängt förmlich in der Luft, als umkämpfte Erinnerung. Ost gegen West. Nord gegen Süd. Gestern gegen Heute. Diverse Geschichten. Diverse Interessen. Viele Götter. Viele Sprachen.

In einer Gasse am Hafen von Sewastopol lehnte ein Flötenspieler an einer Hausmauer und spielte die russische Hymne. Ein schlanker, in sich gekehrter junger Mann, der sich als Nikolai vorstellte. Warum er diese Melodie spiele, fragte ich ihn. „Wahrscheinlich aus einer Nostalgie heraus", sagte er.

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Hochdekoriert (Foto: Schimmeck)

Natascha schmunzelte. Gestern Sowjetunion, heute Ukraine? Gestern Sozialismus, heute Kapitalismus? Wie vertragen sich solche Umbrüche? „Ich muss da nicht jonglieren“, sagte Natascha frohgemut. „Das mischt sich ganz natürlich. Ich denke darüber eigentlich nicht nach.“ Sie sei einfach stolz auf die Tradition.

In Zeiten rasanten Wandels muss jeder seine Identität neu komponieren. Was ist russisch, was ukrainisch? Sind das überhaupt fassbare Kategorien? „Ich fühle da keine inneren Kämpfe“, meinte Natascha, „der Druck kommt wohl eher von anderen. Ich denke von selbst kaum darüber nach. Aber manchmal werde ich von außen dazu gebracht.“ Natascha erklärte nach einigem Überlegen, sie betrachte sich als Ukrainerin, fühle aber zugleich ihre russischen Wurzeln, „mein russisches Blut“. Sie sei wohl, sagte sie schließlich, „so etwa 75 Prozent russisch“.

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Im Veteranenheim (Foto: Schimmeck)


„Enttatarisierung“

Ende des 15. Jahrhunderts dann beherrschten die Osmanen die komplette Krim. Dennoch blieb die Halbinsel ein Vielvölkerplatz für Orthodoxe, Katholiken, Muslime und Juden. Als Russland sich die Krim 1783 einverleibte, wurden Ukrainer, Armenier und andere Handel treibende Völker verjagt, was auch wirtschaftlich von Übel war. Die neuen Herrscher vertrieben die Krimtataren ins weniger fruchtbare Landesinnere. „Enttatarisierung“ nannte sich diese russische Strategie. Viele Tataren flohen in die Türkei. Bulgaren, Balten, Deutsche, Griechen und Kosaken wurden nun auf der Krim angesiedelt, das Land neu verteilt. Die Filetstücke gab Fürst Potjomkin an russische Adlige. An der Südküste bauten sich Zaren und Hochadel feine Sommerresidenzen. Es war so schön warm hier.

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Die Sowjets brachten den Krimtataren später zunächst mehr Respekt entgegen, ab 1927 aber war die „Russifizierung“ wieder herrschende Doktrin. Stalin ordnete nach der Rückeroberung der Krim im Zweiten Weltkrieg die rücksichtslose Vertreibung an. An die 180 000 Menschen ließ er in Zügen nach Zentralasien verfrachten – Krimtataren und andere „Nichtslawen“, die ihm allesamt als Verräter, als Hitlers Kollaborateure galten. Die Hälfte dieser Menschen soll schon auf dem Transport in den Viehwaggons verhungert, verdurstet und an Krankheiten zugrunde gegangen sein. Die Überlebenden und ihre Nachkommen durften erst in den 1990er Jahren zurück.

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Nach Westen! (Foto: Schimmeck)


Veränderung ist die Konstante

Ihre russische in Sewastopol hatte Natascha mit einer Goldmedaille verlassen, wegen allerbester Leistungen. Sie surft viel Im Internet, hört westliche Musik. Politik interessiere sie nicht, sagt die die 75-Prozent-Russin. Die Tradition ist für sie nur ein Anker, eine Art nostalgisch-folkloristischer Bodensatz. Sie pickt sich heraus, was passt. Das Kind der Schwarzmeerflotte ist entdeckungsfreudig, unternehmungshungrig. Sie blickt westwärts. Hat Englisch und Spanisch studiert. Will Geld verdienen. Ist das nicht Verrat?

Natascha lacht schallend. „Nein“, sagt sie. „Das Neue ist doch überall. Veränderung ist die Konstante. Wenn ich mein Leben verbessern will, muss ich es auf meine Weise machen.“


Neugotland

Die Russische Revolution und der Erste Weltkrieg zeitigten schwere Turbulenzen auf der Krim. Zwischen Dezember 1917 und Oktober 1921 wechselte hier neunmal die Herrschaft, zwischen Krimtataren, Bolschewiki, deren Feinden von der Weißen Garde und deutschen Marionettenherrschern. Bis schließlich die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik Krim entstand.

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Matrosen
(Foto: Schimmeck)

Die Deutschen hatten hier ihre ganz eigenen Pläne. Im Ersten Weltkrieg wollte General Ludendorff die Halbinsel zur deutschen Kolonie „Krim-Taurien“ machen, Flottenstützpunkt und neue Heimat der Russlanddeutschen. Im Zweiten Weltkrieg befahl Hitler schon kurz nach dem Angriff auf die Sowjetunion, die Krim müsse „von allen Fremden geräumt und deutsch besiedelt werden." Südtiroler sollten in seiner Provinz „Neugotland“ angepflanzt, Simferopol in "Gotenburg", Sewastopol in "Theoderichhafen" umgetauft werden.

1939 gab es über 47 000 Juden auf der Krim. 1941 rückte die deutsche Wehrmacht ein. Die Einsatzgruppe D der SS begann sofort mit Massakern, tatkräftig unterstützt vom Armeeoberkommandos. Die Juden von Simferopol, an die 20 000 Menschen wurden eilig vor Weihnachten 1941 ermordet. Im April 1942 erklärten die Besatzer die Halbinsel für „judenrein“. Die Krim, schreibt der Historiker Dieter Pohl, war das Gebiet „wo sich militärische Besatzungspolitik und der Mord an den Juden am engsten verschränkten.“


Gepflastert mit Grabsteinen

Von Sewastopol die Südküste entlang bis nach Kertsch sind es etwa 350 Kilometer. Für die Reise braucht man, mit klapperigen Sammeltaxis und Kleinbussen, einen langen Tag. In Kertsch, am Ostufer der Krim, setzt die Fähre nach Russland über. Nach Norden hin erstreckt sich das flache Asowsche Meer, nach Süden das tiefe Schwarze Meer.

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Gen Osten (Foto: Schimmeck)

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Im Osten der Krim
(Foto: Schimmeck)

Noch eine Heldenstadt. Hier hatten die Deutschen im letzten Krieg gleich zweimal gewütet. Sie ermordeten 99 Prozent der etwa 7000 Juden. Die Grabsteine des großen jüdischen Friedhofs wurden später benutzt, um Straßen zu pflastern und Mauern zu ziehen. Insgesamt sollen die Nazis etwa 15 000 Bürger der Stadt getötet und 14 000 deportiert haben. Die Grausamkeiten wurden im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess präsentiert.

Kertsch hieß bei den Griechen Pantikapaion. Archäologen fanden weiter westlich über 2000 Jahre alte Grabhügel der Skythen. Kertsch war Hauptstadt des Bosporanischen Reiches, Handelsplatz der Genueser, dann mongolisch, türkisch, russisch. Die Stadt wirkt derber als die feinen Badeorte. Hier wird geschuftet, geschwitzt. getrunken und gespielt.

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Valentinas Museum
(Foto: Schimmeck)


Valentinas Tafeln

Ich bog von der Marxallee in die Uliza Tsiolkowskogo ab, eine ruhige Straße. Linker Hand fand ich die alte Synagoge, erst seit wenigen Jahren wieder geöffnet. Eine Frau namens Valentina gab mir eine Geschichtsstunde. Sie hielt einen Zeigestock in der Hand, wie eine altmodische Lehrerin. Ihr Lächeln nahm der Lektion alle Strenge.

Ende des 19. Jahrhunderts, sagte Valentina, habe die jüdische Gemeinde hier prosperiert. Obschon es auch zu jener Zeit Pogrome gab. Auch die Juden der Krim sind ein buntes Gemisch, erklärte Valentina: Griechisch sprechende Juden aus dem Mittelmeer, Juden aus Byzanz, aber auch einheimische Juden von der Krim, Krimtschaken genant, ursprünglich turksprachig. Dazu Karäer, auch Karaim oder Karaiten genannt, die hier schon in frühen Mittelalter siedelten.

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In der Synagoge von Kertsch
(Foto: Schimmeck)

Valentina hatte das alles parat, hatte lange gesammelt und in Archiven gewühlt, bis genug Material für ihr kleines Museum beisammen war – das erste Museum von Juden in der Ukraine. Die ersten Zeugnisse jüdischen Lebens in Kertsch stammen aus dem 1. Jahrhundert vor Christus. Auf ihren Tafeln klebten auch Portraits jener Rechtschaffenen, die Juden während der deutschen Besatzung gerettet und zum Teil dafür ihr Leben geopfert haben. Die „Einsatzgruppe D“ wütete hier mit Gaswagen. Bei der Befreiung von Kertsch lebten in der ganzen Stadt noch 34 Menschen.

Gleich nach der Geschichtsstunde begann unten im Gebetsraum der Gottesdienst. Eine liebevoll-chaotische Zeremonie. Zwei ältere Herrschaften plauderten während des Gesangs miteinander. Zwei kleine Jungs warfen sich während der Predigt Zettelchen mit Botschaften zu. Dann versammelte sich die kleine Schar um eine Tischtennisplatte, auf der Getränke in Plastikbechern, Brot und Süßigkeiten bereitstanden. Alle tranken einen Schluck, nahmen einen Bissen. Den Deutschen in ihrer Mitte duldeten sie freundlich, fragten auch einiges. Dann strebten sie auseinander.

Nur ein alter Mann verweilte noch einen Augenblick. Ein ehemaliger Rabbiner aus der Westukraine, erst im Jahr zuvor nach Kertsch gekommen, weil seine Tochter hier im Sterben lag. Im Krieg, erzählte er, war er verwundet worden. Er versteckte sich im Ghetto. „Ich habe Glück gehabt, bin am Leben geblieben“ sagte er, kopfschüttelnd. „Ich weiß nicht, was Gott gewollt hat.“

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Am Ufer des Schwarzen Meeres (Foto: Schimmeck)

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