Freiwillige vor!

Warum Andy seine Freizeit in Haiti verbringt

Von David Weyand

Copyright: Thomas Hoepker
Helfer in Port-au-Prince: Die deutsch-haitianische Zusammenarbeit funktioniert (Foto: Jonas Wresch)

In Haitis Hauptstadt Port-au-Prince sind auch im Jahr nach dem verheerenden Erdbeben viele Gebäude zerstört, Menschen leben in Zelten, es fehlt an Schulen. Wer zur Hölle verbringt hier seine Freizeit?

Es stinkt nach Kloake, die Abgase verrosteter Lastwagen brennen in den Augen, penetrant hupen die Tap-Taps. Von der Ladefläche der bunt bemalten Pick-Up-Taxis schallt kreolischer Hip-Hop, die Chauffeure verwechseln den löchrigen Asphalt von Port-au-Prince mit einer Formel-1-Strecke. Mitten durch den morgendlichen Wahnsinn tänzeln zwei „Blan“, wie sie hier die Weißen nennen, und ihr haitianischer Kollege Jhonson. Andy und Jhonson schultern eine Holzplanke, Rebecca folgt mit einer Schubkarre, darin: Hammer, Meißel und Säge. Sie fallen auf, weil sie als einzige Blan zu Fuß unterwegs sind und nicht in einem klimatisierten Jeep sitzen.

Nach zwei Kilometern hat der kleine Bautrupp sein Ziel erreicht: die Emes-Schule. „Bonjour, ça va?“, ruft Saul Dulcio, der 54-jährige Direktor, von weitem. Andy und Jhonson legen den Balken ab, dann schnappt sich Andy den Plan mit der Bauskizze und führt die anderen herum. Wie drei Viertel aller Schulen in Port-au-Prince wurde auch die Emes-Schule beim Beben schwer beschädigt.

Von den vier Klassenräumen sind zwei zerstört. Gesteinsbrocken liegen noch immer im Hof, wacklige Mauerreste lassen den Grundriss erahnen. Es wurde niemand verletzt, weil das Unglück nach Schulschluss passierte. Früher haben hier sechs Lehrer fünfzig Kinder unterrichtet. Heute drängen sich in den verbliebenen zwei Räumen zwanzig Schüler auf winzigen, schiefen Holzbänken; zwei Lehrerinnen unterrichten sie.

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Teamwork: Rebecca und Jhonson setzen neue Mauersteine in der Emes-Schule (Foto: Jonas Wresch)

„Wir hauen die kaputten Steine weg, ziehen die Mauern wieder hoch und da vorne noch eine zusätzliche ein, dann können wir uns ans Dach machen“, erklärt Andy seinen Plan. Dann legen sie los. Neugierig beobachten die Schüler, wie Andy und Jhonson auf die noch stehenden Betonpfeiler einschlagen.

Andy Chaggar stammt aus Leicester in England, er ist korpulent und hat fast immer ein T-Shirt an, auf das die Buchstaben „EDV“ gedruckt sind - die Abkürzung von „European Disaster Volunteers“. So heißt die Hilfsorganisation, die der 34-Jährige gegründet hat. Er trägt einen getrimmten Vollbart, die haitianische Sonne hat seine Haut gebräunt, auf der hochgezogenen Stirn prangt ein „H“. Die Narbe, groß wie eine Zwei-Euro-Münze, und die Verletzungen an seinem linken Bein sind der Grund, warum er in Haiti ist.

Zweiter Weihnachtstag 2004: Andy und seine Freundin Nova Mills stoppen auf einer Weltreise in Khao Lak, Thailand. Am Abend zuvor haben sie gefeiert, um zehn Uhr liegen sie noch im Bett. Plötzlich schreckt Andy auf, weil der Strandbungalow wackelt und er ein höllisches Krachen hört. Er will aufstehen, da reißt die Riesenwelle seine Hütte mit. Das Wasser wirbelt ihn umher und schleudert ihn auf das Dach eines Gebäudes, dort bleibt er liegen, sein Bein eingeklemmt vom Schutt.

Vier Stunden später wird er schwer verletzt gerettet. Seine Freundin Nova sieht er nie wieder. Nach zehn Tagen in einem thailändischen Krankenhaus wird Andy nach England ausgeflogen. Es folgen weitere sechs Wochen Krankenhaus, ein halbes Jahr Reha, dann kann er wieder laufen.

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Andy in einem Tap-Tap-Taxi vor dem zerstörten Präsidentenpalast (Foto: Jonas Wresch)

Und fliegt zurück nach Khao Lak. Dort hilft er im „Tsunami Volunteer Center“ ein Jahr als Freiwilliger beim Wiederaufbau. Die Arbeit fasziniert Andy so sehr, dass er seinen alten Job als Elektroingenieur aufgibt. Stattdessen macht er an einer walisischen Uni einen Master in Entwicklungshilfe, danach geht er für ein Jahr in ein peruanisches Erdbebengebiet. „Freiwilligenarbeit ist für mich zum Lebensinhalt geworden“, sagt er. Im Herbst 2008 gründet er die „European Disaster Volunteers“ -, seine eigene Hilfsorganisation.

Andy hatte von Familie und Freunden Spenden gesammelt und suchte nach Projekten - da bebte am 12. Januar 2010 die Erde in Haiti. 222.000 Menschen starben, anderthalb Millionen wurden obdachlos. Eines der am wenigsten entwickelten Länder der Erde, bekannt für politische Instabilitäten, schwache Staatlichkeit und große Armut, wurde damit endgültig auf die Intensivstation verlegt.

Mehr als fünfhundert Hilfsorganisationen sind nach Angaben der UNO in Haiti aktiv. Darunter erfahrene Nichtregierungsorganisationen (NGO) wie „Ärzte ohne Grenzen“ und unerfahrene wie „J/P Haitian Relief Organization“, eine von Hollywood-Schauspieler Sean Penn gegründete NGO. Andys „European Disaster Volunteers“ gehört zu den kleinsten.

Im Sommer 2010 flog Andy mit seiner neuen Freundin Emma Taylor nach Port-au-Prince. Die beiden sahen aus wie Rucksackreisende, nicht wie Vertreter einer europäischen Hilfsorganisation. Seinen Lebensunterhalt hatte Andy erst einmal gesichert, weil er ein Stipendium des Telefonkonzerns Vodafone und fünfzigtausend Pfund gewann.

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Während die Schüler lesen, schreiben und rechnen, bauen die Freiwilligen am neuen Dach (Foto: Jonas Wresch)

Sie wohnten bei Bekannten und suchten nach einem passenden Projekt. „Natürlich haben manche versucht, uns abzuzocken“, erzählt Andy. Einmal habe der Gründer eines Waisenhauses um Unterstützung gebeten. „Als wir unangekündigt vorbei kamen, waren da aber gar keine Kinder.“

Auf einem Nachbarschaftstreffen begegneten sie Carlos, der ihnen vom zerstörten Waisenhaus seiner Mutter Denise erzählte. Mit ihrer Familie und vierzig Kindern wohnte die ehemalige Lehrerin in Zelten. Ohne sauberes Wasser, feste Toiletten und Schutz; mit Malaria, Krätze und Hunger. Noch heute hausen rund 800 000 Menschen in solchen Notunterkünften. Überall in der Stadt drängen sich mit Planen überzogene Holzgerippe und Mannschaftszelte eng aneinander.

Damit hatte Andy sein erstes Projekt gefunden: Mit einer Gruppe haitianischstämmiger US-Studenten baut er eine Drainage, um die Zelte des Waisenhauses trocken zu legen. Zurück in den USA sammeln die Studenten 25 000 Dollar und spenden sie an EDV. Seine kleine Gruppe mietet davon ein Haus, organisiert Betten, baut Tische und Stühle und schustert aus Autoreifen und Balken ein Klettergerüst. Zusätzlich bezahlen sie eine Lehrerin. „Ohne die Hilfe der Studenten würden die Kinder immer noch in den Zelten vegetieren“, sagt Andy.

Es ist das erfolgreichste Projekt der Organisation. Außerdem unterrichten die Freiwilligen in einer selbstgebauten Hütte Englisch und informieren über Cholera. Und sie übernehmen das Schulgeld für 25 Kinder, die sonst nicht zur Schule gehen könnten.

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Reis mit Bohnen im Waisenhaus von Denise - das World Food Program versorgt täglich eine Million Kinder in Haiti mit Nahrung (Foto: Jonas Wresch)

Im Vergleich zu den großen Platzhirschen sind für sie nur kleine Projekte möglich. Dafür sind sie näher dran an den Menschen. Verärgert erzählt Andy, wie selbst erfahrene Organisationen an den Bedürftigen vorbei planten: 5000 Menschen wurden in Übergangshäuser umquartiert, aber nur drei Toiletten wurden gebaut. „Wie kann man denn vergessen, wo die Leute scheißen sollen.“

Rebecca, die die Schubkarre zur Emes-Schule schob, kommt eigentlich aus Bremen, lebt aber seit zehn Jahren in London. Von ihrem Job als Sozialarbeiterin hat die 31-Jährige eine Auszeit genommen. Sie hat Ärger mit einem Haitianer, der für seine Mitarbeit auf der Schulbaustelle Geld fordert, obwohl ausgemacht war, dass er nur ein Mittagessen bekommt.

Verantwortung kann man übernehmen oder ablehnen; jeder entscheidet selbst. Sie liegt im Supermarktregal unseres Lebens: Zugreifen oder liegen lassen? Die sechste Ausgabe des Magazins "Go", der wir diese Reportage aus Haiti entnommen haben, beschäftigt sich mit dem Thema Verantwortung. Das Heft ist die Abschlussarbeit des sechsten Lehrgangs der Zeitenspiegel-Reportageschule Günter Dahl, eines Partners von MAGDA.

„Alle anderen arbeiten freiwillig und umsonst“, erklärt ihm Rebecca. „Aber ich hab’ hart geschuftet“, sagt Evans, der Haitianer, und wirft seine Schaufel in den Sand. Er ist arbeitslos und muss seine Familie ernähren. Doch die Regel bei EDV ist eindeutig - es gibt kein Geld. Im Gegenteil: Jeder, auch Andy, zahlt fünfzehn Dollar pro Tag. Das deckt die Kosten für Übernachtung und Essen.

Interessiert verfolgen Nachbarn der Schule, wie weitere Freiwillige Bretter und Wellblech für das neue Dach bringen. Ein Laster mit Mauersteinen und Zementsäcken fährt vor. „Alle mal mitanpacken!“, ruft Rebecca. Das Material hat tausend Euro gekostet - ein Klacks im Vergleich zu den insgesamt zehn Milliarden US-Dollar, die dem Land versprochen wurden. „Warum kommt das Geld nicht bei uns an?“, schimpft Evans. „Es wird zu viel verschwendet“, ärgert sich auch Rebecca. Bei EDV gingen die Spenden jedenfalls nicht in teure Geländewagen und hochbezahltes Personal, sondern nur in die Projekte.

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"A - like apple" haben die Kinder verstanden. Aber als die 19-jährige Madelaine aus den USA "V - like vacuum cleaner" zeigte, wusste niemand, was ein Staubsauger ist (Foto: Jonas Wresch)

Um halb fünf ist Feierabend. Das Team will vor Einbruch der Dunkelheit im Camp sein. In drei Tagen endet die Amtszeit des unpopulären Präsidenten René Preval und noch immer ist unklar, wer nach der Stichwahl Ende März sein Nachfolger wird. Obwohl zwölftausend Blauhelmsoldaten in Haiti stationiert sind und schwer bewaffnet in den Straßen patrouillieren, kommt es oft zu Ausschreitungen.

Dann brennen Barrikaden, manchmal fallen Schüsse. Für die Freiwilligen von Andys Truppe gelten klare Sicherheitsregeln: bei Dunkelheit nicht alleine und nach 22 Uhr nicht ohne sein Einverständnis unterwegs sein. EDV übernimmt keine Haftung für die Sicherheit, eine Krankenversicherung muss jeder selbst haben.

Auch deshalb versteckt sich ihr Domizil im Stadtteil Tabarre, nahe des Flughafens, hinter einer drei Meter hohen Mauer, darauf ein Kranz aus Stacheldraht, zur Straße hin ein großes Eisentor. Seit Dezember hat Andy das Haus gemietet. Der Innenhof mit Pool, einer Bar und einem mit Früchten behangenen Mangobaum lässt das Elend draußen fast vergessen.

Das weiße, zweistöckige Haus ist im Vergleich zu den Bruchbuden der Nachbarn eine Villa, ähnelt innen aber eher einer Studenten-WG: Selbstgezimmerte Stockbetten, ein Putzplan an der Badezimmertür und ein Raum voller Laptops. Statt politischer Manifeste über die Ausbeutung der Dritten Welt lesen sie hier Facebook.

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Trotz Armut und traumatischer Erlebnisse herrscht ausgelassene Stimmung: Sobald Musik ertönt, kommt Bewegung in die Kinderschar (Foto: Jonas Wresch)

Von den internationalen Hilfsprofis werden die „European Disaster Volunteers“ nicht ernst genommen. Astrid Nissen ist Politikwissenschaftlerin und leitet die Diakonie-Katastrophenhilfe in Haiti. Wenn Rucksackreisende ohne Berufserfahrung einfach nach Haiti kommen, um im Urlaub „irgendwas Gutes zu tun“, hält sie das für sehr problematisch. „Arbeitslose Bauarbeiter gibt es hier genug.“

Nissen gibt allerdings zu, dass „die Personalauswahl bei den etablierten Hilfsorganisationen nicht immer gut ist.“ Manche internationale Mitarbeiter benähmen sich daneben, seien gegenüber der Bevölkerung zu distanziert und förderten so Misstrauen und Konflikte. „Deshalb gründen dann wohl einige Unzufriedene ihre eigene NGO.“

Dass sich kleinere Organisationen auffallend häufig auf Projekte mit Waisen- oder Schulkindern konzentrieren, hält Nissen für naheliegend: „Wahrscheinlich kann man so besonders gut Spender motivieren.“ Sie sitzt im Büro der Diakonie in Pétionville, einem hügeligen Vorort im Süden der Stadt. Hier wohnen vor allem wohlhabende Haitianer, in direkter Nachbarschaft zu den internationalen Organisationen. Nissen kennt das Land seit zwei Jahrzehnten, hat das Büro vor fünf Jahren eröffnet und ist mit einem Haitianer liiert. Für sie zählt nur eins: „Was nützt die Hilfe den Betroffenen?“

Organisationen, die in einem Notstandsgebiet arbeiten wollen, müssten in jedem Fall Strukturen haben, findet Astrid Nissen. Deshalb komme es natürlich immer auf den Einzelfall an. „Für mich ist entscheidend, dass die Professionalität gesichert ist. Ob das dann Hauptamtliche oder Freiwillige machen, ist mir letztlich egal.“

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Gegen die Ausbreitung der Cholera hilft ein einfaches Mittel - Hände waschen (Foto: Jonas Wresch)

Die niederländische Journalistin Linda Polmann sieht das kritischer. Sie hat viele Jahre als Korrespondentin in Krisengebieten gearbeitet. In ihrem Buch „Die Mitleidsindustrie“ schreibt sie über die Schattenseiten internationaler Hilfe. Polmann hält es für fatal, wenn Privatpersonen aus Frust über die vermeintlichen Fehler großer NGOs ihre eigene Hilfsorganisation gründen.

Container voll mit ausrangierten Krankenhausapparaten, abgelaufenen Medikamenten und nutzloser Kleidung brauche niemand, sie lähmten die Logistik, schreibt sie. Keiner wisse, was die unerfahrenen NGOs eigentlich machen. Opfer in Krisengebieten sollten „ein Recht auf Schutz vor humanitären Helfern haben, die ungebeten kommen“, findet Polmann.

Unter dem Verandadach öffnet Andy sein erstes Bier. „Ein solches Erdbeben wäre in Tokio lange nicht so verheerend gewesen“, sagt er. Das Ausmaß hänge immer mit der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Lage eines Landes zusammen. Mit Andy am Tisch sitzen Shawn, Peejay und Tom. Shawn ist eigentlich Zimmermann und Feuerwehrmann in Montreal.

Er ist schon zum vierten Mal als Freiwilliger in Haiti und wird das Dach der Emes-Schule bauen. Peejay hat ein Jahr für „Medical Relief“ in Haiti gearbeitet. „Die einzige promovierte Pharmazeutin unter Tausenden von Ausländern“, behauptet sie. Für EDV organisiert sie Gesundheitsschulungen. Tom ist Historiker und war Mitarbeiter der Konservativen im englischen Parlament.

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Der Mangobaum spendet Schatten, der Pool erfrischt - wenigstens ein bisschen Luxus erlauben sich die "European Disaster Volunteers" (Foto: Jonas Wresch)

Fünfzig Leute waren schon da, zwei sogar aus Indonesien und Peru. Manche bleiben wenige Wochen, einige viele Monate. Während sich die anderen unterhalten, starrt Andy ins Leere, tiefe Augenringe zeichnen das Gesicht und er muss gähnen. Seit er vor neun Monaten hergekommen ist, hat er sich nur fünf freie Tage gegönnt.

Am nächsten Morgen sitzt Andy um acht Uhr mit verquollenen Augen am Rechner und schlürft Kaffee mit Milchpulver. Als Chef muss er viel organisieren: Rechnungen, Twitter, Facebook und seinen Blog für Vodafone. „Hat jemand ’ne Idee, was ich da heut schreiben soll?“, ruft er in den Raum. Die anderen blicken versunken auf ihre Bildschirme und schweigen.

Auf die EDV-Facebook-Seite mit ihren 800 Freunden schreibt er: Handwerker gesucht. Der Internet-Bezahldienst PayPal will demnächst an mehrere Millionen Kunden einen Spendenaufruf verschicken. Darin stellen sie fünf Projekte in Haiti vor, EDV ist auch dabei. Andy überlegt, wie viel sie bekommen könnten und träumt von hunderttausend US-Dollar. Mit dem Geld will er neue Schulen bauen.

Am nächsten Tag fahren Andy und Rebecca zu einem anderen Waisenhaus mit Kindern, Le Main Tendre. Das Haus, ein ehemaliges Kulturzentrum mit Voodoo-Tempel, ist eine Ruine. Die tonnenschwere Kuppel des Tempels steht diagonal im Raum. Kinder flitzen darunter umher, ziehen alte Puppen aus dem Dreck und stolpern über Eisenschrott. Im Innenhof ein Beduinencamp: Unter zusammengeflickten Planen stehen voll gestopfte Schränke, auf dem blanken Lehmboden liegen vergilbte Matratzen, darauf ein schlafendes Baby.

EDV hat André, dem Vater der Großfamilie und Voodoo-Priester, zwei provisorische Schulräume gebaut und den Kontakt zu einer japanischen NGO vermittelt. Der Abriss des Gebäudes ist für sie eine Nummer zu groß. Die Japaner haben alles arrangiert: Schon kommende Woche soll ein Spezialteam der japanischen Armee die Kuppel einreißen. Gut gelaunt verabschieden sich Andy und Rebecca wieder. Abends kommt ein Anruf, der die ganze Truppe schockt: Die UNO verbietet dem japanischen Abriss-Team den Einsatz. Das Waisenhaus sei nur auf städtischer, aber nicht auf nationaler Ebene registriert und das verstoße gegen die Regeln.

Damit will sich Andy aber erst mal nicht beschäftigen. Am nächsten Morgen, als die anderen gerade aufwachen, steht Andy mit gepackten Koffern im Hof und verabschiedet sich - in die Ferien: Zehn Tage Strandurlaub in der Dominikanischen Republik.

Copyright: Jonas Wresch
Die einsturzgefährdete Kuppel des ehemaligen Kulturzentrums kann nur mit großen Baumaschinen abgeräumt werden (Foto: Jonas Wresch)




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