In die Pilze gehen

Es gibt echte Alternativen zum Schreiben

Von Wolfgang Michal

Copyright: Wolfgang Michal
Die Ausbeute eines Pilzsuchernachmittags: viele, viele Maronenröhrlinge, die einen violetten Lacktrichterling beschirmen. (Foto: Wolfgang Michal)

In diesem Jahr gedeihen sie besonders gut. Der trockene, heiße Juli und der verregnete, nur mäßig warme August haben sie aus ihren unterirdischen Geheimnetzen gelockt. Selbst bei uns im Garten wachsen sie jetzt zu Dutzenden: Birkenpilze (essbar), aber auch herrliche Fliegenpilze. Und nur wenige Meter weiter - in den unheimlichen Wäldern der Hohen Geest - rotten sie sich zu Tausenden zusammen (dort sieht man auch immer wieder Menschen mit Migrationshintergrund, die in einer Art Schleppnetzfahndung urdeutsche Pilzgründe durchkämmen. Evolutionsgeschichtlich gesehen sind diese Menschen natürlich intelligenter als wir, weil sie sich genetisch als Pilzsucher durchgesetzt haben. Aber das nur nebenbei). Wir Deutschen sammeln Pilze ja streng nach dem Deutschen Pilzgesetz (DPG). Also nur für eine (letzte?) Mahlzeit (und nicht für den Polenmarkt, wo die Deutschen ihre eigenen Pilze dann zurückkaufen können, was aber gerecht ist, weil sie den Polen dafür das billige Benzin wegsaugen. Mein Großvater sagte immer, es muss ein Handel und Wandel in der Welt herrschen, und der war Sozialdemokrat jenseits von Peter Sloterdijk und Thilo Sarrazin).

Zurück zum Thema: Unser Hauptfang (obwohl man – das muss ich den Kindern immer wieder sagen – Pilze nicht fängt!) war ein Parasol. Diesen fantastischen Riesenschirmling, in verschlagenen Eiern mit etwas Mehl gewendet, als Herbst-Schnitzel zu verspeisen, mit etwas Maronen-Ragout und einem violetten Lacktrichterling als Farbtupfer und Sättigungsbeilage, ist ein Gedicht:

 

Parasol und Sarrazin, wer hat sie gedungen?

Parasol und Sarrazin, alles wird verschlungen.

 

Der Parasol, der ja auch der Karpfen unter den Genusspilzen genannt wird, liegt wie ein hauchdünnes Wiener Kalbsschnitzel auf dem Teller, sieht aus wie eine frisch aufgetaute und dann lange liegengelassene Tiefkühl-Pizza und schmeckt wie eine echte Tortilla aus Sieglinde-Kartoffeln.

Deshalb: Esst deutsche Pilze! Man kann seine Laufzeiten dadurch um 8 bis 12 Jahre verlängern!

 

Copyright: Wolfgang Michal
Dieser Parasol (ein Riesenschirmling) geht als Schnitzel für 2 Personen durch (Foto: Wolfgang Michal)



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