Boddenfischer
Klicken Sie auf die bereits erschienenen Bilder, um zur Großansicht zu gelangen.
Zum Frühstück Aal und starken Kaffee, und dann rein ins Boot. Jeden Wintermorgen fahren die Grählerts zum Fischen auf den Barther Bodden, im Sommer auch hinaus auf die offene Ostsee. Vater Horst verkörpert die vierte, Sohn André die fünfte Generation dieser kleinen Fischerdynastie, die Mutter führt das Geschäft in Pruchten bei Zingst. Niemand, der die Grählerts auch nur flüchtig kennt, könnte sich vorstellen, daß sie je etwas anderes machen würden als Fische fangen, Fische zubereiten und Fische verkaufen.
Bodden sind die Lagunen des Nordens: flache Buchten, die durch Sperriegel aus Inseln und Landzungen vom Meer abgeschirmt werden. Eine amphibische, brackige Welt. Ein natürlicher Spiegel, auf dem das Ebenbild des Himmels schimmert.
Windstärke sechs, mit Regenböen. Spitze Wellen, der Bodden ein See aus grünem Schaum. Grählerts kontrollieren die Stellnetze: schlauchartige Trichter, aus denen es kein Entrinnen gibt. Bis zu hundert Meter lang, aber nur anderthalb Meter hoch – tiefer ist der Bodden kaum. Für die flachen Partien hat selbst der alte Kutter Paula schon zu viel Tiefgang, deshalb nehmen sie zwei Beiboote ins Schlepptau. Nach drei Stunden kräftezehrender Arbeit, allein mit ihren Gedanken und der aufgewühlten See, haben sie eine Kiste voll zappelnder Zander beisammen, dazu ein paar Brassen und Hechte.
Auch etliche Aale sind darunter, doch davon haben sie noch genügend im Geschäft. Und so stecken sie sie in ein Sacknetz und versenken es im Bodden, als wär’s der Nibelungenhort. Nur ein unscheinbarer Stab markiert die Stelle – nicht daß ihnen jemand den Fang stibitzt. „Übermorgen holen wir sie raus.“
Frank Steinbach, Jahrgang 1966, ist als Fotograf ein klassischer Quereinsteiger. Nach dreizehn Jahren als leitender Angestellter einer Bank machte er seine Leidenschaft schließlich zum Beruf. Heute fotografiert er vor allem Reportagen. Derzeit erarbeitet er mit einem Stipendium der VG Bild-Kunst eine Dokumentation über urbane Lebensart in Afrika und Ostasien.
Zunächst wollte er diese Geschichte in Farbe fotografieren. „Doch die Fischer tragen bei der Arbeit orangefarbenes Ölzeug – das hätte ich dann auf fast jedem Bild gehabt. Das wäre zu grell, zu dominant geworden.“ Schwarz/weiß dagegen paßt in diese Landschaft. Denn die Bodden sind selbst Grauzonen: zwischen süß und salzig, zwischen ruhend und bewegt, zwischen Luft und Land und Meer.
Gemeinsam mit der Fotografenvereinigung Freelens präsentiert MAGDA jeweils vier Wochen lang eine herausragende Fotoreportage. In den besten aller Farben: in schwarz/weiß. Immer montags zeigen wir auf der Startseite ein neues Bild aus der jeweiligen Geschichte, die wir dann hier in diesem Album näher vorstellen.
Was bisher geschah:
- Das Woodstock des Balkans: Daniel Pilar auf dem größten Blasmusik-Festival der Welt
- Die Hochzeit von Perpignan: Jesco Denzel bei den Gitans
Artikel empfehlen
NEU
Sieben Kinder kamen im Außenlager von Dachau zur Welt
Oh Himmel, der neue "Stern"!







