Winterreise


Copyright: Walter Mayr Copyright: Walter Mayr
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Franz Schuberts Winterreise ist der bekannteste Liederzyklus der Musikgeschichte, und zusammen mit Mahlers Kindertotenliedern wohl auch der Unheimlichste. Kälte, Unbehaustheit und Verzweiflung prägen diese Gesänge nach Gedichten von Wilhelm Müller.

Walter Mayr hat diesem Liederzyklus einen Bilderzyklus zur Seite gestellt. Es begann buchstäblich wie nebenbei: Bei der einsamen Arbeit in der Dunkelkammer hörte Mayr mit Vorliebe Schubert und sang dessen Lieder auch selbst. Dabei stießen ihm Korrespondenzen auf, Wahlverwandtschaften zwischen den Gedichten, der Musik und einzelnen seiner Bilder, mal als zarte Assoziation, mal als frappierende Parallele. Schließlich durchforstete er sein Œuvre gezielt und versammelte gut hundert Arbeiten zu einem Zyklus. Das älteste Bild ist fast vierzig alt, das jüngste zwei Jahre.

Es handelt sich dabei weder um herkömmliche Illustrationen noch um Fotografie auf den Spuren Schuberts. Wir bekommen weder den Brunnen vor dem Tore noch die schöne Müllerin zu sehen. Statt dessen einen sehr privaten Bilderbogen, der eher Fragen stellt als Antworten gibt. Etwa die Frage nach der Verwandtschaft von Musik und Bild, oder der von Romantik und Fotografie.

„Je mehr ich mich mit dieser Epoche beschäftige“, erklärt Mayr, „desto stärkere Verbindungen sehe ich zwischen der Kunst der Romantik und dem Aufkommen der Fotografie.“ Sie lag in der Luft, entsprach einem latenten Bedürfnis jener Zeit, für das findige Tüftler schließlich eine Lösung fanden.

Thomas Wedgwood, ein vielseitig interessierter britischer Mäzen und Dilettant, stellte bereits um 1800 vielversprechende fotografische Experimente an, deren Ergebnisse sich jedoch nicht erhalten haben. Etwas später erfanden Daguerre, Talbot und einige andere die Fixierung mit Silbersalzen. Mayr hat sich intensiv mit diesen Pionieren der Fotografie beschäftigt, die ihre Wurzeln allesamt in der romantischen Tradition haben. Von dort war es dann nicht weit zu Franz Schubert als dem Inbegriff der musikalischen Romantik, und zu seinem Textdichter Wilhelm Müller.

Dabei stieß Mayr auf Zusammenhänge zwischen „Klimawandel und Romantik“, die die Kulturwissenschaften bislang wenig beachtet haben, die jedoch eine faszinierende und bestechend aktuelle Sicht auf die Kunst des frühen 19. Jahrhunderts eröffnen, insbesondere auf die Winterreise. Mayrs Essay „Da war es kalt und finster“ wird hier auf MAGDA zum ersten Mal veröffentlicht.


Copyright: Christian Burkert

Als Sohn eines Fotografieliebhabers machte Walter Mayr, heute 65, in den sechziger Jahren eine Fotografenlehre und studierte anschließend an der Folkwang-Schule. Schon damals lockten ihn die Klänge der benachbarten Musikabteilung, die Koloraturen der Sänger und die Kastagnetten der Ballettänzerinnen. Über dreißig Jahre hinweg produzierte er dann Reportagen für die großen deutschen Magazine und machte sich vor allem als Tier- und Naturfotograf einen Namen. Auch seine experimentellen Arbeiten sorgten für Furore: Mayr zog mit einer Camera Obscura um die Welt, baute eine Canaletto-Kamera nach und entwickelte sogar eine akustische Kamera, die Töne und Schwingungen ins Bild integriert.

Gemeinsam mit der Fotografenvereinigung Freelens präsentiert MAGDA  herausragende Fotoreportage. In den besten aller Farben: in schwarz/weiß. Alle paar Tage zeigen wir auf der Startseite ein neues Bild aus der jeweiligen Geschichte, die wir dann hier in diesem Album näher vorstellen.


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