The Making of Magda

Wie aus einem Mops ein Mädchen wurde

Von Dominik Baur

Copyright: Martin Rasper
MAGDA-Mitgründerin Sabine Böhne tippt, wo sie nur kann - hier an einer Kneipenwand in Kassel (Foto: Martin Rasper)

MAGDA ist online. Eine kleine Gruppe freier Autoren hat das Webmagazin ins Leben gerufen. Hier präsentieren sie ihren Lesern das, was sie am besten können: gute Geschichten. Doch bis hierher war es ein langer Weg.

Am Anfang war Hugo. Hugo ist ein kleiner Kerl mit großem Charisma. Er ist sozial kompetent und loyal, hat einen guten Riecher und das Zeug zum Publikumsliebling. Das behauptet zumindest Emanuel Eckardt. Und der sollte es wissen - schließlich lebt er schon seit Jahren mit Hugo zusammen.

Hugo ist ein Mops, der einmal kurz davor stand, ein Stück Mediengeschichte mitzuschreiben. Wie man darauf kam, wusste später niemand mehr so genau. Jedenfalls sollte Hugo seinen guten Namen einer guten Sache leihen - dem Magazin der Autoren.

Copyright: Michael Bernhardi
Hugo: Das Zeug zum Publikumsliebling (Foto: Michael Bernhardi)

Es ist ein Samstag im September 2006, als sich Emanuel Eckardt und 14 Mitstreiter des von ihm initiierten Netzwerks Autoren+Reporter im Berliner Café Einstein treffen. Aus ganz Deutschland sind sie angereist. Sie sitzen im Garten. Nebenan gibt gerade Henryk M. Broder ein Interview. Es tut der Stimmung keinen Abbruch.

Die Runde ist sehr gemischt. Die Jüngste ist 32 Jahre alt, der Älteste 70. Etliche von ihnen waren schon Chefredakteure, Ressortleiter, Textchefs, andere zeitlebens freie Autoren aus Überzeugung; sie schreiben Reportagen für "Geo" und den "Stern", arbeiten für Lifestyle-Magazine ebenso wie für große und kleine Tages- und Wochenzeitungen. Sie haben Romane, Sach- und Drehbücher verfasst und Magazine entwickelt.

Den Pulitzer-Preis hat noch keiner von ihnen gewonnen. Sonst gibt es kaum renommierte Journalistenpreise, mit denen nicht der eine oder andere von ihnen schon ausgezeichnet worden wäre. In ihren Geschichten geht es um Politik genauso wie um Sex. Ihr Themenspektrum reicht von klassischer Musik über ostdeutsche Befindlichkeiten bis zum Waldrapp.

Was Eigenes

Zwischendrin wurde auch der Name "Colonel Grotesk" erwogen: Eine Skizze

Fröhlich diskutiert man über dies und das, diesmal vor allem aber über eine gewagte Idee: Kann die Webseite des Netzwerks irgendwann durch ein Webmagazin ergänzt werden? Ist dieses bunt zusammengewürfelte Team eine potentielle Redaktion? Viele haben das Arbeiten in Redaktionen kennengelernt, aber die meisten haben sich längst in ihrem chaotisch-eigenbrötlerischen Freiendasein eingerichtet. Das Interesse an der Idee ist lebhaft, notiert Wolfgang Michal wenige Tage später, die meisten der Kollegen betrachten seinen Vorschlag allerdings eher als "Fernziel, Kraftakt, Luxus, Utopie oder Hobby". Doch es gärt.

Immer wieder kommt die Idee in den kommenden Wochen und Monaten zur Sprache. Die Beweggründe sind zunächst dieselben, die auch gewachsene Redaktionen und Verlage umtreiben. Michal, seit langem ein scharfsichtiger Beobachter der Medienszene, artikuliert sie in einer Rundmail an die Kollegen. Vor allem die Printkrise macht ihn nachdenklich: "Wir befinden uns derzeit in der Übergangsphase, in der die alten Distributionskanäle nur deswegen noch einigermaßen funktionieren, weil nicht alle Nutzer auf dem letzten Stand der Medientechnik sind", schreibt Michal. "In wenigen Jahren aber wird es eine Leser- und Nutzerrevolution geben, die sich gewaschen hat."

Hauptsache Mops: Auch magi.net war im Gespräch

Wo wird künftig ihr Platz sein, fragen sich Mitglieder des Netzwerks. Sind sie in den Plänen der Verlage überhaupt noch vorgesehen? Oder setzen die nur noch auf user generated content, auf einen Journalismus ohne Journalisten? Werden freie Autoren durch den Rost fallen, weil sie die Entwicklung verpasst haben? Können sie sie vielleicht zu ihren Gunsten beeinflussen?

"Das Magazin der Autoren" soll ein Schritt in diese Richtung sein. Aber natürlich gibt es auch noch ein anderes Motiv: Als Freiberufler sind die Autoren sonst immer nur Textlieferanten, die mit mal mehr und mal weniger Vertrauen ihre besten Stücke in die Hände von Redakteuren legen und abwarten müssen, was diese aus ihnen machen. Bei "Hugo" wäre das anders. Man könnte sich so richtig austoben. Um es mit Loriot zu sagen: Da hätte man was Eigenes.

Hugo kommt

Nach mehreren zaghaften Anläufen nimmt das Projekt erst 2009 so richtig Fahrt auf. Beteiligt sind zunächst 17, dann 19, am Ende des Jahres 22 Autoren, die zusammenlegen und die Hamburger Agentur Superscreen mit der technischen Umsetzung ihres journalistischen Traums beauftragen. Längst geht es nicht mehr um eine Weiterentwicklung der Netzwerk-Homepage, sondern um ein eigenständiges Magazin. Die Domain www.hugomagazin.com soll "Hugos" Heimat werden.

Lesen Sie in Teil 2, wie eine Sportgymnastin die Seite wechselt und "Hugos" größter Befürworter ihm den Garaus macht!


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