The Making of Magda (Teil 2)

Wie aus einem Mops ein Mädchen wurde

Von Dominik Baur

Copyright: Emanuel Eckardt
MAGDA-Autoren Wolfgang Michal (links) und Marc Bielefeld (hinten) begutachten mit Marco Jurow von Superscreen die Baustelle (Foto: Emanuel Eckardt)

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Dabei ist klar: "Hugo" ist anders. Er will nicht einfach nur ein weiteres Onlineportal unter vielen werden - inmitten der schönen bunten Welt des Webzwonull, zwischen Eilmeldungen und Citizen Journalists, zwischen Twitter und Facebook. "Hugo" hechelt keinem Trend hinterher.

Das schnelle Geld steht für die Hugonauten nicht im Vordergrund. Aber natürlich soll die Seite auch eine Präsentationsplattform für die Autoren (und Gastautoren) sein. Außerdem können Redaktionen Artikel kaufen, Leser können spenden, und irgendwann mag es sogar Werbung auf der Seite geben.

Ein Omen in Kassel

Da alle Autoren sich nur nebenberuflich engagieren können, verschiebt sich der Starttermin immer wieder. Auf jeden Fall, so nimmt man sich vor, muss "Hugo" noch vor der Bundestagswahl ans Netz.

"Hugo" - der erste Prototyp

Ein paar Monate später - der Prototyp steht, die ersten Autoren kämpfen mit dem Redaktionssystem - flammt plötzlich eine ganz neue Diskussion auf: "Hugo", so stellt sich heraus, hat ein Handicap. Dass er ein Namensvetter von allerlei edlem Tuch bis hin zu Mützen und Modeaccesoires sein würde, war von vornherein klar, hätte aber nicht weiter gestört - doch plötzlich taucht Konkurrenz aus der eigenen Branche auf: ein in der Oberpfalz aktives Stadtmagazin namens exakt "Hugo", das sich an der Namensähnlichkeit der Domains stört. Der Mops sorgt sich nicht, er sonnt sich im Blankeneser Garten.

Magda, ein Witz

Dabei stellt sich heraus, dass ohnehin nicht alle mit dem Namen restlos zufrieden sind. Lieckfeld, inzwischen auf Omen achtend, meint rückblickend: "Dass fast ein Mops ideeller Chefredakteur geworden wäre ... Nun gut, ein Edel-Mops. Aber ich weiß, dass auch leidlich gesunde Möpse relativ kurzatmig sind. Und das hätte mir für unser Magazin nicht gefallen."

Das frühere magda.de: Magdalena Brzeska hat nun eine Seite weniger, aber ein paar Fans mehr

Im Oktober - klammheimlich wurde mittlerweile der Bundestag neu gewählt - wird nun kreativ über Alternativen diskutiert. Noch kommt man nicht ganz vom Hund los. Vonmoepsenundmenschen.de lautet ein Vorschlag, pug-avenue.de ein anderer. Aber auch Pluto ist im Rennen. Ausgerechnet Wolfgang Michal, einer der energischsten Befürworter des ursprünglichen Namens, versetzt "Hugo" den Todesstoß: "Gewöhnt euch schon mal an MAGDA, das MAGazin Der Autoren (kleiner Scherz)", schreibt er in einer Mail.

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Martin Rasper in Kassel: Historische Stunde in journalistischem Dekor (Foto: Emanuel Eckardt)

MAGDA? Wieso Scherz? Michal scheint der einzige zu sein, der von seinem eigenen Vorschlag noch überzeugt werden muss. Der Rest findet: Der Name ist genau der richtige. Einziges Problem: www.magda.de ist bereits vergeben. Eine Fanseite für die polnisch-deutsche Sportgymnastin Magdalena Brzeska findet sich hier. Doch der treue Fan, dem die Domain gehört, kann sich auch für die neue MAGDA begeistern: Für 333,33 Euro wechselt die Seite ihren Besitzer.

Ein Leben ohne Mops ist möglich, sagt Loriot. Aber sinnlos. Dieses eine Mal wird er Lügen gestraft.

Was die Autoren erst nach dem Deal erfahren: Ulrich Mehringer, der ehemalige Besitzer von www.magda.de, spendet den Erlös einem bulgarischen Waisenhaus, für das er und seine Frau sich engagieren. Gerührt übernimmt MAGDA die Medienpatenschaft für das Projekt, Lieckfeld vermittelt sogar noch eine größere Spende.

Am 11. Januar 2010 geht MAGDA online. Bis zur Bundestagswahl sind es noch mehr als dreieinhalb Jahre. Der Rest sind Geschichten.

 


Köstlich: Wie brisant MAGDA von Anfang an war, zeigte sich schon am Tag der Premiere. Fritz-Jochen Kopka und Stefan Schomann beschreiben, wie die Feuerwehr in Berlin-Wilmersdorf durch beherztes Eingreifen eine Katastrophe abzuwehren suchte und welche gefährliche Rolle unser so harmlos wirkender Kollege Schomann dabei spielte. Ein wahres Schmankerl - nicht nur für Freunde asiatischer Südfrüchte.





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