Reise in die Nacht
Stefan Schomann auf Nordlandfahrt
Die Astronomen unterscheiden zwischen bürgerlicher Dämmerung, nautischer Dämmerung und eben astronomischer Dämmerung, in der es dann für sie überhaupt erst eigentlich zur Sache geht. Bürgerliche Dämmerung klingt besonders anheimelnd. Zur Wintersonnenwende fuhr ich mit der Hurtigruten von Bergen bis ans Nordkap. Ins Land der Mittagsfinsternis, in ein zwielichtiges Milieu, in dem der Abend schon am Morgen anbricht.
Doch was die Tage an Licht vorenthielten, machten die Nächte mit mystischen Nordlichtern und einem opulenten Sternenhimmel wieder wett. Nicht von ungefähr trug das Schiff den Namen Polarlys, was nicht etwa Nordlichter bezeichnet, sondern das spezifische, nur in hohen Breiten und kalten Höhen anzutreffende Licht.
Die langen, lichtlosen Winternächte stimulieren die Phantasie und das Mitteilungsbedürfnis, eine Kultur der Einbildungskraft entstand. Doch die Bewohner des Nordens holen sich dabei oft eine Überdosis Melancholie. Das beste Gegenmittel ist, sich ihr auszusetzen und sie ästhetisch zu überhöhen. Dann kann sich ein wunderbar paradoxer Gemütszustand einstellen: euphorische Melancholie. Wie die zustande kommt, darüber berichte ich in einem kleinen Logbuch auf ZEIT online.
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