Spaß beiseite

Seit einem Jahr ist ein Komiker Bürgermeister von Reykjavik

Von Esther Göbel

Copyright: Stefanie Preuin
Komisch: Jon Gnarr hat gut Lachen. Vor knapp einem Jahr schaffte es seine Satirepartei bis ins Rathaus. Neben besserem Wetter und einem eigenen Disneyland versprach er seinen Wählern auch Gratis-Handtücher an allen heißen Quellen. (Foto: Stefanie Preuin)

Es war ein Samstag, als der Spaß in Reykjavik einzog. Für manche war es ein Schock, für andere bloß ein Scherz. Für die Frau aber, die Schuld daran trägt, war es gründlich durchdachter Ernst.

Heida Helgadottir, rotblonde Haare, große Augen und jene Sorte Naturschönheit, die einem bei dem Wort Island in den Sinn kommt, hat die Besti Flokkurinn nie für einen Scherz gehalten. Auch nicht die Sache mit dem Youtube-Video. Es war ihre Idee, sie ist die Parteimanagerin dieses Haufens von Künstlern und Schauspielern, die sich die "Beste Partei" nennen und die im vergangenen Jahr kurzerhand auszogen, um Reykjavik endlich wieder ein Lächeln abzutrotzen.

Die üblichen Wahlkampfmethoden waren der 27-Jährigen zu langweilig, also verzichtete sie auf Plakate. Stattdessen zog sie mit rosa Luftballons durch die Stadt und trommelte ihre Kameraden zum Videodreh zusammen. Gemeinsam trällern sie dort eine Coverversion von Tina Turners "Simply the best!" und besingen ein kuscheliges und lächelndes Reykjavik, das sie sich wünschen. Mitten drin: Jon Gnarr – Schauspieler, Satiriker, selbst ernannter Anarchist und seit jenem Samstag, dem 29. Mai 2010, Bürgermeister von Reykjavik.

Die Parteimanagerin lächelt, wenn sie von dem Video erzählt. Sie sieht dann aus wie ein kleines Mädchen, die rosa Wangen glänzen, der weiße Island-Pulli strahlt. Man könnte sie für unbedarft halten. Doch Helgadottir, die Einzige mit politischem Fachwissen in der Besten Partei, weiß genau, was sie will. Als ein Freund ihr erzählte, Jon Gnarr gründe eine Satirepartei und wolle für das Amt des Bürgermeisters kandidieren, war sie sofort dabei. "Ich hatte nach dem Crash keine Lust, bloß Eier aufs Parlamentsgebäude zu werfen. Aber ich fühlte mich von keiner der anderen Parteien vertreten." Also stieg sie bei der Besti Flokkurinn ein und wurde deren Managerin.

Mit Erfolg; mehr als ein Drittel der isländischen Hauptstädter entschieden sich am Wahltag für die Spaßpartei und Jon Gnarr, diesen rothaarigen Tausendsassa und Zwei-Meter-Mann. Seine Wahlversprechen: Gratishandtücher an allen heißen Quellen, ein Eisbär für den Zoo, die kulturelle Revolution – und besseres Wetter.

Ein knappes Jahr ist das nun her. Die Besti Flokkurinn wird mittlerweile nicht mehr nur an ihren Witzaktionen gemessen, so wie der "Guten-Tag-Tag" eine war; alle Menschen sollten sich in der Stadt einen Tag lang freundlich grüßen. Und Gnarr muss jetzt zeigen, dass er mehr kann, als sich das Stadtwappen auf den Unterarm zu tätowieren, wie er es im vergangenen Oktober getan hatte.

Dass Regieren nicht immer Spaß macht, bekam der Bürgermeister ziemlich schnell zu spüren. Im vergangenen Jahr sanierte die Stadt das Unternehmen Orkuveitan; Reykjaviks größter Energiedienstleister für Strom und Wasser hatte sich nach Jahren der Expansion nahe an den Bankrott gewirtschaftet. Die Stadt, zu 93,5 Prozent Eigentümer, setzte auf Sparkurs und entließ 65 Mitarbeiter.

Einer von ihnen war der Vater von Parteimanagerin Helgadottir. Natürlich sei das nicht einfach gewesen, sagt sie. "Aber die Menschen verstehen, dass wir sparen müssen. So ist es nun mal." Sie zuckt mit den Schultern. "Wir kleben nicht an unseren Sesseln. Deswegen können wir auch unpopuläre Entscheidungen durchziehen."

Doch das war nur der Anfang. Die Stadt muss weiter sparen. Die Ankündigung, deswegen auch einige Kindergärten und Grundschulen zusammenzulegen, trieb die Bürger vors Rathaus. Aufgebrachte Lehrer starteten eine Unterschriftenaktion, als die Pläne im März an die Öffentlichkeit drangen, 11.000 Reykjaviker unterschrieben. Und Gnarr sah sich mit der Frage konfrontiert, wieso er in der Schweiz im Urlaub weilte, als die Bildungsdebatte im Stadtparlament diskutiert wurde – so fühlt es sich an, wenn aus Spaß langsam Ernst wird.

Gnarrs Wahl vor einem Jahr ist der skurrile Höhepunkt einer Geschichte, die lange vor dem eigentlichen Crash begonnen hat: 2002 privatisiert Island seine zwei Staatsbanken, die Wirtschaft boomt. Die Menschen bekommen billige Kredite, sie kaufen Autos, bauen Häuser. Die Arbeitslosigkeit liegt unter zwei Prozent, die Lebensqualität gilt als besonders hoch. Das Land feiert eine Riesenparty, über Jahre hinweg. Noch im Spätsommer 2008 listet eine Studie der OECD die Insel als eine der zukunftsfähigsten Regionen der Welt.

Island schwebt.

Dann kommt der Crash.

So schnell, dass es niemand glauben kann: Bankrott der drei größten Landesbanken – Notstandsgesetze – Bankenverstaatlichung – Inflation – rasanter Anstieg der Arbeitslosigkeit – Proteste – Rücktritt der Regierung. Menschen, die alles verlieren.

Copyright: Matt Riggott
Bürgermeister Gnarr auf einer Schwulenparade: "Arschtritt für die konventionellen Politiker" (Foto: Matt Riggott)

Olafur Sveinsson hat die Party mitgefeiert, jahrelang. Er sitzt auf einer braunen Ledercoach in seinem geräumigen Wohnzimmer, strammer Wind weht über Alftanes hinweg. Zwanzig Kilometer von Reykjavik entfernt liegt der kleine Ort eingeklemmt wie eine Sardine auf einer Landzunge, zu beiden Seiten hin erstreckt sich der Nordatlantik. Hier wohnen die, denen es noch gut geht, dabei gilt Alftanes als die am höchsten verschuldete Gemeinde im Land. Draußen frisst sich die Kälte durch die Kleidung, aber in Sveinssons Wohnzimmer ist es wohlig warm. Hundertprozentige Isolierung, alles klinisch rein. Erst 2007, wenige Monate vor der Krise, ist Sveinsson mit seiner Frau und der jüngsten Tochter in das neue Haus gezogen.

Der 57-Jährige ist ein freundlicher, unauffälliger Mann. Und er ist Teil jenes Systems, das die schlimmste Saga Islands mitgeschrieben hat. Seit 18 Jahren arbeitet Sveinsson als Banker, vier davon als Manager eines 15-köpfigen Teams bei der Glitnirbank. Dort kontrollierte er die Abwicklung in- und ausländischer Millionenkredite. Dann, im Herbst 2008, ging Glitnir pleite und wurde als erste der drei großen Banken verstaatlicht. 13 Mitarbeiter seines Teams verloren ihre Jobs, Sveinsson blieb. Glitnir spaltete sich in zwei Teile, einer davon wurde die neue Islandsbanki. Dort sitzt Sveinsson nun im Resolution Commitee und versucht, den Schaden zu begrenzen, den die Krise angerichtet hat.

Wer ist verantwortlich für das Desaster?

Das sei schwer zu sagen. Die isländische Zentralbank, aber auch die europäische, weil beide zu lasch kontrolliert hätten, sagt Sveinsson. "Jeder bekam einen Kredit, auch wenn es gar keine Sicherheiten gab."

Fühlt er sich schuldig?

Nein, Sveinsson ist sich sicher, nichts falsch gemacht zu haben. Manchmal habe er nachgefragt bei seinen Chefs, weil er Zweifel hatte, wie es wirklich um die Bank stand. "Aber damit war ich der, der die Party nur gestört hat. Auf mich wollte niemand hören."

Was ist mit den Politikern?

Er sei nicht wirklich wütend. Sie hätten das Land nicht mutwillig in die Krise geführt. "Es war wie damals bei der Titanic: Die sind auch nicht mit Absicht gegen den Eisberg gefahren, die dachten bis zum Ende, alles ist sicher. Erst als sie untergegangen sind, haben sie das ganze Ausmaß erkannt."

Und wie steht es mit Jon Gnarr?

Sveinsson lacht. Nie würde er ihn wählen. Der Banker glaubt nicht daran, dass irgendwer irgendetwas besser machen wird. Er hat sein Vertrauen verloren – in das eigene System. Es ist ihm abhanden gekommen zusammen mit seinem Geld, 200.000 Euro hat er durch die Krise verloren. Auch Jon Gnarr kann da nichts ausrichten. "Wir können ihn nicht ernst nehmen", sagt Sveinsson, "er ist doch ein Komiker!"

Verantwortung kann man übernehmen oder ablehnen; jeder entscheidet selbst. Sie liegt im Supermarktregal unseres Lebens: Zugreifen oder liegen lassen? Die sechste Ausgabe des Magazins "Go", der wir diese Reportage aus Island entnommen haben, beschäftigt sich mit dem Thema Verantwortung. Das Heft ist die Abschlussarbeit des sechsten Lehrgangs der Zeitenspiegel-Reportageschule Günter Dahl, eines Partners von MAGDA.


Olafur Hardarson, 59, freut sich noch immer über den blödelnden Bürgermeister. Mit Kollegen aus aller Welt blickt der Politikprofessor und Sozialwissenschafter von der University of Iceland auf das "Phänomen Gnarr". Satireparteien habe es schon viele gegeben, "aber dass eine wie die Besti Flokurrin mit 34,7 Prozent gewählt wird, ist absolut außergewöhnlich", erklärt Hardarson in dunklem Bariton.

Von seinem Erdgeschossbüro bis zum Rathaus, wo Gnarr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit sitzt, sind es nur ein paar Hundert Meter; Reykjavik ist eine Stadt kurzer Wege. Darin gleicht sie der isländischen Politik, in der jeder jeden kennt.

Hardarson hat Umfragen eingeholt und Diagramme erstellt, sie sollen den sensationellen Erfolg der Besti Flokkurinn erklären. Der Professor weiß jetzt, dass vor allem junge Wähler ihr Kreuzchen für die Spaß-Partei gesetzt haben. Oder dass Gnarr bei den Männern besser ankam als bei den Frauen. Die Umfragen sagen aber auch: Gnarrs Sieg war ein Ausdruck wohl überlegten Protests. "Die Menschen in Reykjavik sind nicht dümmer oder unvernünftiger als anderswo", sagt Hardarson.

Seiner Einschätzung nach verdankt Gnarr seinen Erfolg keiner impulsiven Handlung verzweifelter Wähler, auch keiner bestimmten isländischen Eigenschaft. "Viele Menschen dachten sich nach der Krise einfach: Wir haben die Nase voll! Lasst uns den Politikern endlich eine Lektion erteilen!"

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Schnelle Karriere: Bevor Heida Helgadottir Parteimanagein der Besti Flokkurinn wurde, arbeitete sie an der Universiät von Reykjavik (Foto: Stefanie Preuin)

Die Frage sei jetzt, welche Auswirkungen die Besti Flokkurrinn auf die konventionellen Parteien habe, auch auf nationaler Ebene. Ob die Spaß-Partei tatsächlich den Anstoß für einen neuen Politikstil geben könne; der Professor spricht von einem "Gnarr-Effekt".

Doch allen Umfragen zum Trotz muss auch er zu geben: Die Besti Flokkurinn bleibt ein Rätsel. Bis heute hat sie sich auf kein Grundsatzprogramm festgelegt. Man arbeite daran, lässt die Parteimanagerin verlauten, nennt aber schon mal die vier Grundpfeiler ihrer Politik: Natur, Frieden, Menschlichkeit und Kultur. Jon Gnarr hingegen verhält sich wie ein Phantom; man bekommt ihn nicht zu fassen. Jedes Mal, wenn er eine Rede hält, fragen die Menschen sich erneut, ob er es ernst meint oder wieder einen Witz reißt.

So wie damals, als Gnarr während des Wahlkampfs verkündete, er wolle endlich Karriere machen und deswegen Bürgermeister werden. Oder als er, schon im Amt, einen Termin platzen ließ – um wenige Stunden später in Frauenklamotten und mit akkurat gezogenem Lippenstift die Schwulenparade in Reykjavik anzuführen.

Entwaffnende Offenheit, gepaart mit Witz und Selbstironie, so lautet des Bürgermeisters Zauberformel. Immer wieder hat er in Interviews betont, er habe keine Ahnung von Politik und sich auch nie dafür interessiert. Er sei einfach nur verdammt wütend auf die alte politische Garde, die das Land in seine schwerste Krise führte. Damit spricht Gnarr das aus, was viele seiner 300.000 Landsleute denken. Und mehr noch: "Ich bin einer von euch, deswegen könnt ihr mir vertrauen!" Das ist es, was er den Menschen sagt.

Beim Volk ist diese Botschaft längst angekommen: In einer Umfrage wurde Gnarr erst im März zum "ehrenhaftesten" Politiker Islands gewählt. Es klingt wie ein Witz – ausgerechnet einer, der keine Ahnung hat von Politik, der mit 14 Jahren die Schule abbrach und öffentlich mit seiner Unwissenheit kokettiert, genießt jetzt das Vertrauen der Menschen. Doch es wird nicht ewig so bleiben. Der Wind wird sich drehen – erste Böen wehen schon jetzt über das Rathaus hinweg: Als Gnarr sich im vergangenen Frühjahr zur Wahl stellte, folgten ihm über 30 Prozent der isländischen Hauptstädter mit ihrer Stimme – ein Jahr später sind es in Umfragen nur noch 19 Prozent. Die Wähler tun jetzt das, was sie immer tun, egal bei welcher Partei: Sie erwarten Ergebnisse. Langsam schiebt sich eine Frage immer mehr in den Vordergrund: Was hat sich wirklich verändert für die Menschen in Reykjavik?

Copyright: Stefanie Preuin
Weißer Riese: Wenigstens an einem Versprechen hält Gnarr fest. Der Zoo soll einen Eisbären bekommen. Noch zieren niedliche Attrapen die Souvenierläden, doch die Besti Flokkurinn sammelt mit einer Aktivistengruppe schon mal Geld fürs Gehege. (Foto: Stefanie Preuin)

"Nicht viel", sagt Professor Hardarson. "Im Grunde führen sowieso die Sozialdemokraten die Geschäfte der Stadt. Die Koalition macht das, was jede andere auch tun müsste: Steuern erhöhen, Kosten senken, Leute entlassen. Gnarr liefert nur die bessere Show."

Emilia Valdimarsdottir ist eine von denen, die an die neue Partei glaubt. Trotz Sparkurs. "Natürlich habe ich Gnarr gewählt – alles ist besser als das, was wir vorher hatten", sagt sie. "Die Dinge müssen sich ändern." Die 24-Jährige steht hinter einem Stand und verkauft Schals oder Badetücher mit nackten Frauen darauf, wer will, bekommt auch einen quietschebunten Regenschirm. Es riecht nach Fisch. Seit der Krise arbeitet Valdimarsdottir jeden zweiten Samstag auf dem Kolaportid-Flohmarkt in einer riesigen Halle, direkt am Hafen. Vor den Eingangstüren schaukeln Fischerboote, nebenan schiebt sich die gläserne und erst vor wenigen Wochen eröffnete Konzerthalle vor die schneebedeckten Berge im Hintergrund. Dahinter kommt nur noch das Meer.

Valdimarsdottir hat einen Studienkredit aufgenommen, den muss sie irgendwann abbezahlen, Essen, Gas, alles ist teurer geworden seit der Krise. Jeder kennt irgendwen, der seinen Job verloren hat, so wie ihre Schwester, oder der zum Arbeiten nach Norwegen geht, so wie der Vater ihrer Tochter. Aber die junge Mutter will nicht gehen. Stattdessen arbeitet sie an ihrer inneren Einstellung. "Die kann ich wenigstens noch beeinflussen", sagt sie, "ich lebe nur noch von Tag zu Tag, andernfalls würde ich verrückt werden." Sie will keine Angst haben, lieber optimistisch sein. Deswegen hat Valdimarsdottir Jon Gnarr gewählt. Er ist ihre Hoffnung.

Er ist es auch für Thorarinn Einarsson. Der 37-Jährige lebt in "101 Reykjavik", dem Teil der Stadt, der aus bunten kleinen Häusern mit Wellblechverkleidung besteht. Einarsson steht in seinem Wohnzimmer, das mehr ein Durchgang ist und gleichzeitig als Spielzimmer, Büro oder Schlafstätte dient, und versucht, den Überblick zu behalten. Der Raum ist zu klein für all die Tellertürme und Klamottenberge, gesaugt wurde hier schon lange nicht mehr. Seine zwei Kinder, zweieinhalb und vier Jahre alt, springen um ihn herum, im Hintergrund sitzt die älteste Tochter seiner Frau vor dem Laptop, in der Küche kramen zwei junge Musiker in einer Gemüsekiste. Sie wohnen im oberen Stockwerk.

Wenn Einarsson redet, dann tut er es schnell, so als müsste er gegen das ganze Chaos um ihn herum anreden. "Gnarr macht einen guten Job", sagt er, "aber er könnte noch einen viel besseren machen." Ihm ist der neue Bürgermeister nicht radikal genug. Einarsson bezeichnet sich als politischen Aktivisten, er war unter jenen, die vor zwei Jahren mit Bratpfannen und Trommeln bewaffnet vor dem isländischen Parlament protestierten. Er träumt von einem neuen Finanzwesen, einer eigenen Bank für Reykjavik. Mit ein paar Freunden hat Einarsson die Icelandic Financial Reform Initiative gegründet und einen Zehn-Punkte-Plan entwickelt, der das Finanzwesen komplett umbauen soll. Mehr Transparenz ist einer der zehn Punkte, die die Gruppe fordert. Natürlich habe er Gnarr gewählt, sagt Einarsson, "die Besti Flokkurinn ist ein Arschtritt für die konventionellen Politiker".

Er hasst die Sozialdemokraten, mit denen Gnarrs Partei im Stadtrat eine Koalition stellt, die hörten ja noch nicht mal zu und machten einfach so weiter wie bisher. "Alles Feiglinge", sagt er. Mit Gnarr, so hofft der Familienvater, könnte es anders sein. Er würde den Spaß-Bürgermeister selbst dann wählen, ließe der sich für die nächsten Parlamentswahlen 2013 aufstellen. "Aber zuerst sollen sie das Finanzsystem ändern!"

Die Stadtregierung kann das nicht, sie kann allenfalls im kommunalen Haushalt Akzente setzen. Doch der gibt nichts her. Auch die Musikschulen will Gnarr nicht verschonen. Hunderte haben deswegen vor dem Rathaus demonstriert, viele sind enttäuscht. Kurz nach der Wahl hatte Gnarrs Partei verlauten lassen, sie wolle vor allem in die Kultur investieren.

Wie praktisch, dass der Bürgermeister schon während des Wahlkampfs versprochen hatte, im Falle eines Sieges alle seine Versprechen zu brechen.


 
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