Die Zukunft des Schreibens


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Was sich derzeit in der Medienwelt vollzieht, ist nichts Geringeres als eine weltweite Kulturrevolution. Wird es in zehn Jahren überhaupt noch Zeitungen oder Zeitschriften geben? Geschweige denn Bücher? Werden die Leute dann immer noch lesen oder nur mehr klicken? Die Zukunft des Schreibens steht in Frage, wie auch jene, mit der sie auf Gedeih und Verderb zusammenhängt: Die Zukunft des Lesens.

Schreiben war immer einfach – es braucht nicht mehr als eine Feder und ein weißes Blatt. Schreiben war nie einfach – es braucht hinreichend Leser, Liebe und Gegenliebe, Kritik und Kritik der Kritik. Und es braucht einen Markt und ein Milieu, braucht vernünftige Honorare, wenn es ein Beruf sein soll und kein bloßer Zeitvertreib.

Bisher waren es vor allem die Verlage, die das Verhältnis zwischen dem Angebot und der Nachfrage, zwischen den Autoren und dem Markt gestalteten. Sie sind noch immer eine Macht. In Deutschland erscheinen rund 380 Tages- und Wochenzeitungen, dazu etwa 1800 Publikumszeitschriften, und jedes Jahr fast 100.000 neue Bücher.

Nun ist das Mega-Medium des Internets hinzugekommen – mit allein 8.000.000 Websites, die auf das Kürzel „.de“ enden. Sie kosten nichts, sie zahlen nichts. Was heißt das für die Autoren? Bricht jetzt, da jeder alles veröffentlichen kann, ein neues Zeitalter an? Oder versinkt alles im Mahlstrom des Internets? Die Erwartungen schwanken zwischen messianischem Heilsglauben und medialer Apokalypse.

Die Konferenz re:publica in Berlin hat unlängst euphorisch diskutiert, wie das Netz neue Freiheiten eröffnet und ungeahnte Möglichkeiten. Auch MAGDA versucht, diese neuen Freiräume produktiv zu nutzen. Gleichzeitig aber wird der dramatische Verfall bei der Beherrschung der elementaren Kulturtechniken des Lesens und Schreibens nirgendwo deutlicher als im Internet. Der Kulturkritiker Georg Seeßlen etwa beschwor im Freitag die Götterdämmerung unseres Berufsstandes herauf. Er beschrieb das Internet als einen Tummelplatz der Stümper, der das Aussterben der Berufsautoren besiegelt – um so rascher, je mehr sie selbst am virtuellen Publizieren teilnehmen.

Die Zukunft des Schreibens - sollte dahinter besser ein Fragezeichen stehen? Oder ein Ausrufezeichen, oder drei Punkte?

sts

 

 

©  Nele Braas

Den Anfang unserer Reihe machen Heinrich Jaenecke und Felix Zimmermann. Der eine hat als Reporter beim stern die politische Kultur der Bundesrepublik begleitet und mitgeprägt wie kaum ein anderer Journalist. Seine Schreib- und Leseerfahrungen sind noch zur Gänze durch die klassischen Medien geprägt. Felix Zimmermann ist fast fünfzig Jahre jünger. Für ihn gehörte das Internet von Anfang an zu den Leitmedien. Was kann der Alte dem Jungen mit auf den Weg geben? Und was kann er sich von ihm abschauen? „Der Mensch braucht so ein Stück Papier" Ein Blick zurück nach vorn.

 

©  Nele Braas

Dann folgt ein Essay von Henning Lobin, Direktor des Zentrums für Medien und Interaktivität (ZMI) in Gießen. Er beobachtet das Verblassen der Schriftkultur und untersucht, wie die Digitalisierung das Lesen und Schreiben verändert. Als Medienlinguist schlägt er einen Bogen von Klassikern wie Kant und Darwin bis zu den digital natives unserer Tage

 

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Anschließend stellt Wolfgang Michal die handwerklichen Vorzüge heraus, die das Internet gegenüber den herkömmlichen Medien auszeichnen. Er führt zehn Gründe an, warum das Schreiben dadurch einfacher wird: Endlich Ballast abwerfen. Der Tenor seines Beitrags: Vitamin E statt Volkshochschule.

 

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Emanuel Eckardt, gelernter Graphiker, erinnert sich an seine ersten Rendezvous mit dem verführerischen Wesen der Schrift, mit der kühlen Erotik der Neuen Sachlichkeit. Der Titel seines Beitrags ist Reminiszenz und Menetekel in einem: Futura negativ. Eine Schönschreibkarriere von der Schiefertafel bis zum iPad.

 

©  Nele Braas

Tom Schimmeck, über dessen Buch Am besten nichts Neues - Medien, Macht und Meinungsmache gerade viel diskutiert wird, durchleuchtet schließlich, wie die sich verändernden Arbeitsbedingungen für Journalisten sich auf den Gehalt der Medien auswirken. In Glanz und Elend auf der digitalen Galeere hält er die publizistischen Verheißungen des Internet gegen die selbstzerstörerische Sparwut klassischer Verlage.

 

©  Nele Braas

"It's the journalism, stupid!" Unter diesem dem US-Wahlkampf entlehnten Motto hat der Medienwissenschaftler Michael Bartel ein Dossier über die Zukunft der schreibenden Zunft erarbeitet: Wie Offline- und Online-Welt sich kurzschließen, warum traditioneller Journalismus im Netz nicht funktioniert, und was das nächste große Ding sein könnte.

 

 

©  Libroid

Jürgen Neffe, erfolgreicher Autor und Journalist, wird sich demnächst mit Gutenbergs Erbe, sprich: der Zukunft des Buches auseinandersetzen. Und als ein mögliches Szenario das von ihm entwickelte Libroid präsentieren, ein buchartiges elektronisches Multimedium mit neuen Möglichkeiten für Autoren, Verleger und Leser.

 

Weitere Beiträge werden folgen.  

 

 

 



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