Endlich Ballast abwerfen!

Zehn Gründe, warum das Schreiben im Internet viel einfacher ist

Von Wolfgang Michal

©  Nele Braas
Foto: Nele Braas

1. Die Schere im Kopf fällt weg. Es gibt keine gatekeeper mehr, deren Stirnrunzeln ein freier Autor berücksichtigen muss.

2. Durch die Möglichkeit des unverzüglichen Veröffentlichens bleibt das Erlebte - die Emotion - im Text. Geschichten mit viel Vitamin E wirken frischer.

3. Autoren müssen ihre Texte nicht mehr aufwändig „aktualisieren“ oder „restaurieren“, weil sie zuvor monatelang in Redaktionen herumgelegen haben. Das heißt: Autoren sind nicht mehr gezwungen, Stoff und Tonlage eines in grauer Vorzeit verfassten Textes mühsam zu erinnern und zu reanimieren.  

4. Technisch notwendige Eingriffe, die den Rhythmus eines Textes verändern, entfallen – etwa Kürzungen oder Verlängerungen zur Vermeidung von Schusterjungen und Hurenkindern. Auch Platzprobleme und Formatzwänge existieren nicht mehr. Wo ein Text früher dem starren Trägermedium angepasst werden musste, kann heute die Software dem Text angepasst werden.

5. Langatmige Beschreibungen sind überflüssig. An ihre Stelle treten Videofilme, O-Töne, Graphiken, Interviews. Mit Hilfe von Links können sie in die Texte eingebunden werden, ohne den Lesefluss zu stören oder zu belasten.

6. Umständliche Erklär- oder „Volkshochschulteile“, die den Fluss einer Erzählung stark hemmen, aber für das Verstehen eines Textes absolut notwendig sind, werden durch Links zu diesen Erklärteilen ersetzt.

7. Belege oder Quellenangaben können durch Verlinkung gleich mitgeliefert werden.

8. Wichtige Textstellen in fremder Sprache (Zitate, Buchtitel, Songtexte) müssen nicht übersetzt werden. Wer das Originalzitat nicht versteht, klickt einfach drauf.

9. Fehler, die von Lesern entdeckt werden, können Autoren unverzüglich korrigieren.

10. Ein Autor muss sich nicht mehr zwanghaft um Objektivität bemühen. Die Leser können die Sichtweise eines Autors durch Kommentare ergänzen, relativieren, korrigieren - oder sogar ändern.

 

 

In unserer Reihe über Die Zukunft des Schreibens sind bisher erschienen:

"Der Mensch braucht so ein Stück Papier" - Heinrich Jaenecke im Gespräch mit Felix Zimmermann

Vom Verschwinden der Schriftkultur: Henning Lobin über die Folgen der Digitalisierung

Endlich Ballast abwerfen: Wolfgang Michal über die handwerklichen Vorzüge des Internets

Futura negativ - Emanuel Eckardt über den Zauber schöner Schriften

Glanz und Elend auf der digitalen Galeere - Tom Schimmeck über den übel beleumundeten, gleichwohl unentbehrlichen Berufsstand der Journalisten

 

 



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